Aus dem Verkehr ziehen

13. Juni 2000, 09:24

Andreas Feiertag

Mehr als die Hälfte der österreichischen Autolenker gibt laut einer Befragung zu, dass ihr Geschwindigkeitsbeschränkungen mehr oder weniger Wurscht sind. Und je rasanter Fahrer unterwegs sind, desto häufiger verzichten sie auf den Gurt, nicht jedoch auf Alkohol. Dementsprechend steigen die Unfallzahlen, allein am vergangenen Wochenende sind mehr als zehn Menschen getötet, mehr als 560 verletzt worden. Unfallursache Nummer eins war wieder einmal zu hohe Geschwindigkeit. Und das, obwohl sich ausgerechnet die Raser selbst als besonders sichere Fahrer einschätzen.

Diese Gegenüberstellung macht vor allem eines deutlich: Sämtliche bisherigen Verkehrsmaßnahmen, die über Jahrzehnte hinweg auf eine entsprechende Bewusstseinsbildung und damit zu einer möglichen Verhaltensänderung hätten führen sollen, haben kläglich versagt. Der Anteil der Raser im heimischen Straßenverkehr ist laut Studie in den vergangenen fünf Jahren sogar um zwei Prozentpunkte gestiegen.

Was also tun? Paradoxerweise liefern gerade die Autofahrer selbst eine mögliche Antwort: Mehr als 80 Prozent der Befragten wünschen sich schärfere Tempokontrollen und mehr als 70 Prozent noch dazu empfindlichere Strafen. In der Schweiz hat es jedenfalls genutzt. Allerdings erst in der zweiten Etappe.

Flächendeckendes Radar und die Anhebung des Bußgeldes auf umgerechnet 64.000 Schilling und mehr - in Österreich sind 10.000 Schilling schon eine Seltenheit - haben die Unfallbilanz nur ein wenig verbessert. Wer Gas gibt, zahlt auch gern. So richtig wirksam wurde die Maßnahme dann erst, als auch noch der Reihe nach die Führerscheine gezupft wurden. Und nicht nur für lächerliche vier Wochen. Wem es völlig egal ist, dass er das Leben anderer gefährdet, gehört aus dem Verkehr gezogen.

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