Zehn Meter Rohr um 60.000 Euro

4. Juli 2006, 19:21
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Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment profitiert von neu erwachter Lust zum Bohren

Ternitz - Wumms, wumms, wumms, wumms. Lärm von einem Riesenhammer dringt ans Ohr, der auf Metall zu treffen scheint. "Das ist meine Musik", sagt Gerald Grohmann, Vorstandsvorsitzender der auf Hochpräzisionskomponenten für das Ölbohren spezialisierten Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBOE), dem Standard. "Wenn es ruhig wird, werde ich unruhig. Dann gibt es eine Störung in der Schmiede."

Zuletzt hat es vergleichsweise wenige Störungen gegeben. Das Geschäft floriert, die Auftragsbücher des im niederösterreichischen Ternitz ansässigen Unternehmens sind so voll wie noch nie.

Selbst teuerste Bohrungen rechnen sich

"Die heurige Produktion ist komplett ausgebucht, das erste Quartal 2007 ist auch schon in den Büchern. Wenn ein Kunde jetzt Teile bestellt, bekommt er die frühestens Mitte 2007", sagt der Firmenchef.

Den Grund für den Nachfrageboom, von dem auch andere Zulieferfirmen profitieren, sieht Grohmann in der Investitionszurückhaltung der Ölindustrie in früheren Jahren: "Bei Preisen von zehn oder 20 Dollar je Fass (159 Liter), wie wir sie vor nicht so langer Zeit gesehen haben, wollte kaum jemand in der Branche in neue Ölfelder investieren. Das hat sich radikal geändert. Bei Preisen um 60, 70 Dollar je Fass rechnen sich auch teuerste Bohrungen."

100 Prozent Export

Schoeller Bleckmann selbst bohrt nicht nach Öl, sondern beliefert spezialisierte Suchgesellschaften mit Komponenten fürs Bohren. Grohmann: "Wir machen die besonders komplizierten Teile des Bohrstrangs, in die unsere Kunden dann die gesamte Elektronik, Steuerungselemente und Antennen packen."

Geändert hat sich nämlich auch die Bohrtechnik. Statt den Meissel vertikal in den Boden zu drehen, kann das Bohrgerät jetzt auch horizontal geführt werden - gesteuert aus einem fern gelegenen Datenraum. Dazu ist aber viel Elektronik nötig, die im Bohrstrang Platz finden muss. Diese Teile stellt SBOE in Ternitz und bei Töchtern in Houston/USA her. Die Exportquote aus Österreich beträgt 100 Prozent.

Präzisionsmaschinen

Das Rohmaterial kauft SBOE von Böhler-Uddeholm in Kapfenberg zu. Die Edelstahlrohre werden zunächst in der werkseigenen Schmiede bearbeitet und dann in den angrenzenden Werkshallen finalisiert. "Eine solche Stange hat oft bis zu 400 Stunden Bearbeitung hinter sich", deutet Grohmann auf ein im Gegenlicht glänzendes Rohr.

Mit Hochpräzisionsmaschinen wird gefräst und gebohrt - 24 Stunden am Tag, das Wochenende durch. Die Teile selbst sind in der Regel zehn Meter lang und zwischen zehn und 25 Zentimeter dick. Der "intelligente Teil"befindet sich in den ersten 30 bis 100 Metern des Bohrstrangs. Ein Zehn-Meter-Teil kostet zwischen 30.000 und 60.000 Euro.

Kunden von SBOE sind die Halliburtons und Schlumbergers dieser Welt - hochspezialisierte Suchfirmen, die im Auftrag von Mineralölkonzernen nach Öl bohren. Schoeller Bleckmann kommt eigenen Angaben zufolge auf einen Weltmarktanteil von mehr als 50 Prozent. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.7.2006)

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