Österreich bekommt Anti-Korruptions-Akademie

5. Juli 2006, 17:06
3 Postings

Interpol-Institution soll an noch unbekanntem Standort in Österreich gegründet werden

Wien – „Der Schlüssel zum Erfolg ist die Ehrlichkeit. Wer es schafft, sie über Bord zu werfen, hat schon gewonnen.“ Mit diesem Zitat von Marx – Groucho, nicht Karl – beginnt Martin Kreutner, der Leiter des Büros für interne Angelegenheiten (BIA), gern Vorträge über Korruption. Schon im kommendem Jahr könnte es dafür oft Gelegenheit geben. Denn in Österreich soll die Anti-Korruptions-Akademie von Interpol aufgebaut werden. Das gaben der Generalsekretär der weltweiten Polizeiorganisation, Ronald Noble, und Innenministerin Liese Prokop am Dienstag in Wien bekannt.

Post-Graduate-Ausbildung geplant

Starten wird das Projekt vorerst als selbstständige Agentur, in der Endstufe ist eine akademische Post-Graduate-Ausbildung geplant. Als finanzielle Basis will Interpol-Chef Noble für die ersten drei Jahre zumindest 15 Millionen Euro aufbringen. Zahlbar von Interpol-Mitgliedsstaaten, und davon gibt es weltweit immerhin 184.

Noble ist zuversichtlich, dass viele Länder mitmachen. Denn im Vergleich zum Schaden, den Korruption verursacht, nehmen sich die Investitionskosten für die Akademie wie eine Ameise neben einem Elefanten aus. Nach Berechnungen der Internationalen Handelskammer verursacht Korruption allein in Österreich einen Schaden von drei Milliarden Euro pro Jahr.

100 Milliarden schwarz

Nach Schätzungen der Weltbank werden im internationalen Geschäftsverkehr jährlich rund 80 bis 100 Milliarden Euro unter der Hand bezahlt. Als besonders anfällig gelten die Bauwirtschaft, das Gesundheitswesen samt Pharmaindustrie und Subventionsvergabestellen. „Amtsmissbrauch, Bestechung und Geschenkannahme sind im Strafgesetz festgelegte Delikte, doch die viel zitierte Freunderlwirtschaft richtet genauso viel Schaden an“, meint Kreutner.

Die Anti-Korruptions-Akademie ist nicht nur für Polizisten gedacht, sondern auch für Richter, Staatsanwälte und andere Beamte. Die Ausbildung soll drei Grundsätze beinhalten: Korruption erkennen, bekämpfen und überhaupt verhindern. Angedacht ist ein fächerübergreifender Unterricht, von kriminalpolizeilichen Methoden über Lehrgänge für Wirtschaftswissenschaften bis hin zur psychologischen Ausbildung.

"We come back home"

„Für den Standort der Akademie haben sich viele Länder beworben“, erklärte Noble. Für Österreich hätten letztendlich zwei Argumente den Ausschlag gegeben. Zum einen: Interpol wurde 1923 in Wien gegründet, „we come back home“, so der US-amerikanische Interpolchef, dessen berufliche Zentrale sich heute in Lyon in Frankreich befindet. Zum anderen genießt die Alpenrepublik im internationalen Vergleich den Ruf eines unbestechlichen Landes. Auf dem Anti-Korruptionsindex der Vereinigung „Tranparency International“ lieg Österreich weltweit auf Rang 10. Noch vor Deutschland, Frankreich und Luxemburg. An der Spitze der „Untouchables“ thront Island (siehe Grafik). Der heimische Beitrag zur geplanten Akademie beinhaltet neben dem noch nicht berechneten Anteil an den 15 Millionen Euro Startkosten auch die Bereitstellung der Infrastruktur.

Standort noch geheim

Wo genau der Unterricht stattfinden soll, wollte Innenministerin Prokop am Dienstag noch nicht sagen. Nur: „Im Raum Wien oder Niederösterreich.“ Details will sie erst im September bekannt geben, wenn die Anti-Korruptions-Akademie bei der Interpol-Jahreshauptversammlung in Rio de Janeiro auch formal abgesegnet wird. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 05.07.2006)

Link
Interpol
  • Artikelbild
    grafik: transparency int.
Share if you care.