Rückgang der Arbeitskosten in Deutschland

27. Juli 2006, 20:01
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Forschungsinstitut IMK: Entlastung ab nächstem Jahr - Österreich aber wettbewerbsfähiger

Düsseldorf/Wien - Die Arbeitskosten in Deutschland werden sich nach Ansicht des gewerkschaftsnahen deutschen Forschungsinstituts IMK ab nächstem Jahr trotz der jüngsten Beschlüsse verringern. Obwohl der Krankenkassenbeitrag um 0,5 Prozent und die Rentenversicherungsbeiträge um 0,4 Prozent steigen, kommt unterm Strich eine Entlastung heraus, weil sich die Koalition - zumindest im Prinzip - auf eine Rückführung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozent verständigt hat.

"Noch unklar ist, wie sich die Anhebung der Mehrwertsteuer um drei Prozent nächstes Jahr auf die Löhne auswirkt", meint Rudolf Zwiener, Wirtschaftswissenschaftler beim IMK, im Gespräch mit dem STANDARD.

Betrachtet man die Kosten pro Arbeitsstunde in Euro, so liegt Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld (siehe Grafik). Ungewöhnlich ist im internationalen Vergleich die Spaltung zwischen relativ hohen Arbeitskosten und Löhnen im verarbeitenden Gewerbe und relativ niedrigen Arbeitskosten in Dienstleistungssektor in Deutschland. Nicht überraschend ist, dass die skandinavischen Länder höhere Arbeitskosten haben, aber auch Frankreich und die Benelux-Staaten liegen deutlich über dem Durchschnittswert der 15 alten EU-Staaten.

Niedriger in Osteuropa

In den neuen EU-Mitgliedern wird deutlich weniger pro Arbeitsstunde gezahlt, wie die Übersicht zeigt - wobei nicht aus allen 2004 beigetretenen EU-Mitgliedsstaaten Daten verfügbar sind. Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Arbeitnehmerentgelt die Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen sowie Steuern.

Die Arbeitskosten in Österreich sind deutlich niedriger als in Deutschland. "Österreich ist ein kleines Land und orientiert sich sehr, sehr stark daran, was Deutschland macht. Man hat es aber geschafft, einen konstanten Abstand zu wahren. Da aber Österreich auch von osteuropäischen Staaten mit niedrigeren Löhnen umgeben ist, macht das die Sache noch diffiziler, meint Zwiener. Durch eine moderate Anpassung der Arbeitskosten "sichert sich Österreich eine hohe Wettbewerbsfähigkeit". (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.7.2006)

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