Grazer Forscher kämpften mit "unsauberem Raumschiff"

4. Juli 2006, 18:44
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Störungen bei Magnetfeld- Messungen inzwischen beseitigt - Venus-Atmosphäre wird durch Sonnenwind stückchenweise weggeweht

Wien - Die Magnetfeldmessungen durch Wissenschafter des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz an Bord von "Venus-Express" laufen nach anfänglichen und durchaus erwarteten Problemen auf Hochtouren.

Störsignale durch das Raumschiff selbst konnten dank ausgeklügelter Technik mittlerweile weitgehend ausgeschaltet werden, berichtete Tielong Zhang vom IWF bei einer Präsentation am Dienstag in Wien. Im August werden die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen erwartet.

Störungen weggefiltert

Venus-Express ist eine Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Im November 2005 gestartet, erreichte die Sonde heuer im April ihr Ziel, eine Umlaufbahn um unseren Nachbarplaneten. Venus-Express ist eine Kopie des erfolgreichen Mars-Express-Raumschiffs und eigentlich nicht für Magnetfeld-Messungen konzipiert. Die Grazer Wissenschafter schalteten die zahlreichen magnetischen Störquellen an Bord der Sonde aus, indem sie zwei Sensoren in unterschiedlichem Abstand zum Raumschiff verwenden. So können haus- bzw. schiffgemachte Felder vom Computer weggefiltert werden.

Das Magnetfeld der Venus ist für die Weltraumforscher insofern interessant, als unser Nachbarplanet gar keines hat. Das bedeutet, dass der Sonnenwind nicht wie im Fall der Erde vom schützenden Magnetfeld abgelenkt wird, sondern direkt auf die äußeren Schichten der Venusatmosphäre trifft.

"Durch den Kontakt des Sonnenwindes mit dem Plasma der Venusatmosphäre bauen sich an den Grenzschichten kleine Magnetfelder auf und diese erforschen wir im Detail", erklärte der Leiter des IWF, Wolfgang Baumjohann, im Gespräch mit der APA. Ähnlich wie auf der Erde verhindern diese lokalen Magnetfelder ein Ineinandergleiten von Sonnenwind und Atmosphäre.

Atmosphäre weggeweht

Doch wie Wind über eine Wasseroberfläche streicht und dabei Wellen verursacht, kommt es durch das Aneinanderreiben von Sonnenwind und Venus-Atmosphäre zu Störungen. Im Extremfall werden sogar ganze Pakete der Atmosphäre herausgerissen und in den Weltraum geblasen. Es gibt laut Baumjohann sogar Theorien, dass der Mars auf diese Art und Weise seine einst deutlich dichtere Atmosphäre verloren hat.

Die Messungen der Grazer Forscher geben aber auch einen Vorgeschmack, was passieren könnte, wenn sich das schützende Magnetfeld der Erde abschwächt. Wissenschafter messen seit Jahren eine Abnahme des Feldes um unseren Planeten. Möglicherweise steht auch eine Umpolung unseres inneren Magneten bevor, ein Phänomen, das in der Erdgeschichte schon mehrfach vorgekommen ist. Dabei wird der magnetische Südpol zum Nordpol und umgekehrt. Im Zuge dieser Umpolung kommt es zu einer kurzfristigen drastischen Abschwächung des Magnetfeldes. (APA)

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