Jobchancen so gut wie seit Jahren nicht

27. Juli 2006, 20:01
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Mehr als 51.000 neue Jobs im Juni: Von Bau und Reinigung bis Handel und Tourismus

Wien – Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung steigt, wie kräftig hat selbst Fachleute wie AMS-Vorstand Johannes Kopf überrascht.

Prognostiziert war ein Anstieg um 45.000 bis 47.000 neue Jobs im Jahresabstand, geworden sind es 51.182 neue Beschäftigte im Juni (ein Plus um 1,57 Prozent). Solch ein hohes Beschäftigungswachstum habe es in Österreich zum letzten Mal im August 1992 gegeben.

Besonders günstig wirkt sich die gute Konjunkturlage im Dienstleistungsbereich aus: Vor allem im Tourismus, aber auch in der Arbeitskräfteüberlassung, dem Reinigungsgewerbe, im Handel und im Gesundheitswesen wird wieder neues Personal – vorrangig Frauen – eingestellt. Wenn auch hier, wie seit geraumer Zeit zu beobachten ist, zualler erst die Teilzeit und Saisonjobs "boomen".

Stimmt nicht ganz, sagt Kopf: Sehr stark entwickle sich auch die Beschäftigung am Bau und in der Sachgütererzeugung, also auch die Vollzeitjobs. "Das ist ein idealer Indikator für die gute Konjunktur", sagt Kopf.

Abbau bei Sachgütern weitgehend gestoppt

Am Bau verzeichnete man im Mai (letzter Wert) einen Zuwachs um 4100 Beschäftigte. In der Folge erholten sich auch die Beschäftigtenzahlen von Architektur- und Ingenieurbüros. Gestoppt ist auch weitest gehend der Beschäftigungsabbau in der (männerdominierten) Sachgüterproduktion, wo 2005 rund 15.000 Arbeitsplätze verloren gingen.

In den Beschäftigtenzahlen vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger sind immer auch Karenzgeldbezieher(-innen) und Präsenzdiener enthalten, die die Wirtschaftsforscher gerne herausrechnen, um die tatsächlich "aktiv Beschäftigten" ausweisen zu können. Da es im Juni um 1683 weniger Karenzgeldbezieherinnen als im Vorjahr gab, und der Anstieg an Präsenzdienern um 1337 dies nicht ausgleicht, kommen zu den 51.182 neuen Jobs streng genommen noch 346 hinzu, sagt Hauptverbandssprecher Dieter Holzweber.

Wer es ganz genau will: In Österreich sind derzeit 3,305.898 Menschen unselbstständig erwerbstätig. Auf der anderen Seite stehen 196.368 Arbeitslose, ein Minus um 7,1 Prozent oder 14.942 Betroffene im Jahresvergleich. Inklusive der Schulungsteilnehmer (plus 21,4 Prozent) waren 254.079 Personen auf Arbeitssuche. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.7.2006)

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