Portugal auf Revanche aus

5. Juli 2006, 23:14
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Iberer haben mit Frankreich und Zidane noch eine EM-Rechnung offen, am Mittwoch soll diese beglichen werden

München - Erneuter Triumph für Zinedine Zidane oder erste WM-Titelchance für Luis Figo? Die beiden Altstars und einstigen Klubkollegen von Real Madrid stehen als namhafte Protagonisten im Blickpunkt des brisanten Halbfinales zwischen Portugal und Frankreich am Mittwoch in München. Während "Zizou" nach dem WM-Triumph 1998 und EM-Erfolg 2000 seiner glänzenden Laufbahn einen weiteren bedeutenden Titel hinzufügen kann, wartet der ehemalige Weltfußballer Figo noch auf die Krönung seiner Karriere.

Portugals Kapitän setzt sich jedoch nicht unter Druck: "Ob das mein letztes Turnier ist oder nicht, ich brauche niemandem etwas zu beweisen." Gleiches gilt für den schon abgeschriebenen Fußball-Zauberer Zidane, dessen Genialität am Ball bei der Entthronisierung von Titelverteidiger Brasilien im Viertelfinale nochmals aufblitzte. Die Portugiesen brennen jedenfalls nach zwei EM-Halbfinal-Niederlagen gegen Frankreich (1984 und 2000) auf Revanche.

"Wir haben mit den Franzosen noch eine Rechnung offen", sagte Abwehrspieler Miguel. Dabei ist den Iberern vor allem die Partie von 2000 in unschöner Erinnerung. Damals gewann Frankreich die spannende Begegnung durch ein "Golden Goal" von Zidane in der 117. Minute, "Zizou" verwandelte einen von Abel Xavier verschuldeten Handelfer zum 2:1. Die Portugiesen waren ob der strittigen Szene empört und lösten Tumulte auf dem Brüsseler Rasen aus. Nuno Gomes sah die Rote Karte und wurde wie Xavier und Paulo Bento später für mehrere Monate gesperrt.

Diesmal will die Mannschaft von Luiz Felipe Scolari den Spieß umdrehen, obwohl in Frankreich ein Gegner stärkeren Kalibers wartet als zuvor England und die Niederlande. "Das wird ein schwieriges und spannendes Spiel. Die Franzosen sind wesentlich stärker als zu Beginn des Turniers", befand Torhüter Ricardo, der sein Team mit drei gehaltenen Elfmetern gegen England in die Runde der Top-Vier brachte. Der Respekt vor Zidane ist groß. Ricardo: "Er ist der überragende Spieler. Aber wir dürfen uns nicht zu sehr auf Zidane konzentrieren, denn dann haben die anderen Spieler mehr Freiheiten."

Sportlich kann der EM-Zweite von 2004, der seit damals (0:1 im Finale gegen Griechen) in 17 Bewerbspielen ungeschlagen ist, seine beste Elf aufbieten und dabei zehn Spieler ins Rennen schicken, die schon im EM-Finale dabei waren. Die Oberschenkelblessuren von Figo und Jungstar Cristiano Ronaldo sind abgeklungen, beide Profis dürften spielen. "Wir werden ein schlagkräftiges Team ins Rennen schicken", versprach Trainer Scolari, der bei einem Einzug ins Finale mit seinem Team den ersten Titel überhaupt für Portugal gewinnen könnte.

Die Hoffnungen der durch den unerwarteten Siegeszug der "Equipe Tricolore" euphorisierten "Grande Nation" auf ein ähnliches Erfolgserlebnis ruhen auf ihrem Spielmacher. "Mach's noch einmal, Zizou", wünschen sich die Franzosen in Erinnerung an den WM-Sieg von 1998. Coach Raymond Domenech, der schon jetzt den größten Erfolg seiner Trainerkarriere feiern kann, wird hingegen nicht müde zu erklären, dass der Erfolg nicht vom Einzelnen abhängt. "Nur eine große Mannschaft macht einen Spieler groß", sagte der Coach.

"Der Teamgeist erinnert mich stark an 1998. Wir sind in diesem Turnier zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen", sagte Rekord-Teamspieler Lilian Thuram. Auch Verteidiger Willy Sagnol, der am Mittwoch ein Heimspiel hat, schwärmte: "So eine Solidarität in der Mannschaft habe ich noch nie erlebt". Doch gegen Portugal muss das Team sicherlich an seine Leistungsgrenze gehen. "Diese Mannschaft hat eine Seele, die hört nicht auf", sagte Frankreichs Trainer voller Respekt über die Portugiesen.

Domenech hofft vor allem, dass es nicht wieder eine Skandalpartie gibt: "Hoffentlich wird es nicht so ein hektisches Spiel wie zwischen Portugal und den Niederlanden. Ich wünsche mir einen Schiedsrichter, der das nicht erlauben wird." Auch die "Blauen", die gegen die Iberer seit über 31 Jahren ohne Niederlage sind, haben einen Lauf: Sie sind seit 15 Pflichtspielen, seit dem 0:1 im EM-Viertelfinale 2000 gegen Griechenland, ungeschlagen. (APA/dpa/Reuters)

  • PORTUGAL - FRANKREICH (Mittwoch, Münchner Stadion, 21 Uhr, Schiedsrichter Jorge Larrionda/Uruguay):

    Portugal: 1 Ricardo - 13 Miguel, 5 Meira, 16 Carvalho, 14 Valente - 6 Costinha, 7 Figo (11 Simao oder 19 Tiago), 18 Maniche, 20 Deco, 17 C. Ronaldo - 9 Pauleta Fraglich: Figo (Oberschenkel-Verhärtung) Es fehlt: Petit (gesperrt)

    Frankreich: 16 Barthez - 19 Sagnol, 15 Thuram, 5 Gallas, 3 Abidal - 22 Ribery, 4 Vieira, 6 Makelele, 10 Zidane, 7 Malouda - 12 Henry

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      Ein Dankeschön dem Hotel Klosterpforte vom portugiesischen Team.

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