Bewährungsfrist bis 15. Juli

12. Juli 2006, 18:02
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Blatter zu politischem Einfluss: "Durch Minis­ter-Erlass schlim­mer ge­worden" - Verbandschef über neues Sportgesetz: "Eine Missgeburt"

Athen/Berlin - Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem EM-Triumph in Portugal hat der drohende Ausschluss aus dem Fußball-Weltverband (FIFA) Griechenland in einen Schockzustand versetzt. "Wenn sich keine Änderungen abzeichnen, werden die griechischen Mannschaften und Schiedsrichter mit einem Bann belegt", stellte FIFA-Präsident Joseph Blatter am Dienstag in Berlin nochmals deutlich klar.

Tags zuvor hatte die FIFA den griechischen Fußball-Verband (HFF) wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten bis auf weiteres suspendiert. "Es ist ein Schuss vor den Bug, ein Warnsignal. Die griechische Regierung hat jetzt bis 15 Juli Zeit zu zeigen, dass sie die Suspendierung ernst nimmt und dass etwas bewegt wird", betonte Blatter. Neben Griechenland hatten auch Polen und Portugal eine FIFA-Warnung erhalten, die Unabhängigkeit der Verbände gesetzlich zu garantieren und die nationale Gesetzgebung auf die FIFA-Statuten abzustimmen.

"Es ist seitdem schlimmer geworden"

"In Griechenland ist es seitdem schlimmer geworden", sagte Blatter. Die Warnung an die drei Verbände sei im September 2005 ausgesprochen worden, man habe ihnen aber eine Bewährungsfrist bis zum 15. Juli gewährt. "Bis dahin sollten sie ihr Haus in Ordnung bringen", so der Schweizer. Während Portugal und Polen auf gutem Weg zu einer Lösung seien, sei in Griechenland nichts weitergegangen. "Im Gegenteil: Durch einen Minister-Erlass ist es noch schlimmer geworden", sagte Blatter. Die FIFA fordert vor allem eine Autonomie der Fußball-Ligen, der Schiedsrichter und des Disziplinarwesens.

Das FIFA-Dringlichkeitskomitee verfügte nun die Suspendierung, um vor den bevor stehenden Parlamentssitzungen in Griechenland ein deutliches Signal zu setzen. Die Frist 15. Juli wurde auch deshalb gewählt, da bis 19./20. Juli die Länder ihre Vereine für die internationalen Wettbewerbe wie Champions League und UEFA-Cup melden müssen. Neben dem FIFA-Ausschluss drohte Blatter auch damit, alle finanziellen Zuwendungen an die HFF einzustellen und jeglichen Kontakt zu anderen Mitgliedsverbänden zu untersagen.

"Schande"

Durch die drastische Maßnahme droht dem vom Deutschen Otto Rehhagel trainierten Titelverteidiger das Aus für die Qualifikation zur in Österreich und der Schweiz stattfindenden EM 2008. Griechische Medien reagierten am Dienstag schockiert auf die Entscheidung. "Eigentlich müsste Fußball-Griechenland an diesem 4. Juli den zweiten Jahrestag des sensationellen EM-Erfolges feiern. Stattdessen beschäftigen wir uns mit dem Rausschmiss unseres Fußballs aus allen Veranstaltungen", meinten viele griechische Medien übereinstimmend.

"Zwei Jahre nach dem Wunder von Portugal werden wir international verschrien", wählte die Zeitung "Apogevmatini" als Titel. Und das Fußballfachblatt "Protathlitis" kommentierte schlicht: "Schande." Für viele stehen die Verantwortlichen der Misere fest: Der konservative Sportminister Giorgos Orfanos und der den oppositionellen Sozialisten nahe stehende HFF-Präsident, Wassilis Gagatsis. Der Streit zwischen beiden schwelt schon seit Monaten.

Orfanos versuche, durch eine Gesetzes-Änderung Gagatsis abzusetzen. Außerdem drohte er, dass die HFF keine staatlichen Gelder mehr bekommen solle. Sie hätten mit ihrer "Starrköpfigkeit jede Grenze überschritten und den griechischen Fußball in eine Katastrophe geführt", schrieb das angesehene politische Blatt "Ta Nea" am Dienstag. Noch härter kommentiert die größte griechische Sportzeitung "Sportime" die Lage: "Einige 'Parteihunde' führen Fußball-Griechenland an den Abgrund."

Am Dienstag Vormittag gab es erste vorsichtig-optimistische Prognosen. "Ich bin sicher, dass es keine Probleme mehr geben wird. Wir werden das, was nötig ist, tun", versprach Orfanos. Im zuständigen Parlamentsausschuss begann am Dienstag eine dreitägige Debatte über das neue Sportgesetz. Gagatsis reagierte zunächst äußerst skeptisch. "Das neue Sportgesetz ist eine Missgeburt", sagte der HFF-Präsident in Athen.(APA/dpa/AP)

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