Stammzellenforscher räumt Fälschung teilweise ein

11. Juli 2006, 15:22
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Der Südkoreaner Hwang Woo Suk fühlt sich von eigenen Assistenten hinters Licht geführt

Seoul - Der in Verruf geratene Stammzellenforscher Hwang Woo Suk hat vor einem südkoreanischen Gericht die Manipulation von Forschungsergebnissen eingeräumt. Gleichzeitig erklärte der einst als Nationalheld verehrte Wissenschafter jedoch, er sei von seinen Assistenten hinters Licht geführt worden.

Geständnis

"Ich gestehe den Vorwurf der Fälschung ein", sagte Hwang am Dienstag während der Befragung der Staatsanwaltschaft. Zwar könne er sich nicht mehr daran erinnern, konkrete Anweisungen gegeben zu haben. Dennoch liege die Gesamtverantwortung letztendlich bei ihm. "Es war ganz klar mein Fehler", sagte der Wissenschafter. Allerdings sei ihm nicht bewusst gewesen, wie viele der Daten seiner Assistenten jeglicher Grundlage entbehrten.

Er habe sich auf seine Forscher und deren Ergebnisse verlassen. Zudem räumte Hwang ein, dass sein Team für menschliche Eizellen Geld bezahlte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53-Jährigen vor, Forschungsgelder veruntreut, die Öffentlichkeit betrogen und gegen das Bioethikgesetz verstoßen zu haben.

"Bahnbrechende Pionierleistung"

Hwang hatte an der Seouler Universität Studien über das angebliche Klonen menschlicher Embryonen erstellt, die weltweit als bahnbrechende Pionierleistung gefeiert wurden. Hoffnungen auf schnelle Heilung beschädigter Organe oder Krankheiten wie Alzheimer waren gewachsen. Die Ergebnisse stellten sich als Fälschung heraus. Die Seouler Universität kam nach einer Untersuchung zu dem Schluss, Hwang habe die Ergebnisse absichtlich mit falschen Daten manipuliert. Hwang drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Auch mehrere andere Forscher des Teams sind angeklagt.

Im Vorfeld des Prozesses hatte Hwang sich für das Fehlverhalten seines Teams entschuldigt, jegliche eigene Schuld aber zurückgewiesen und sich als Opfer einer Verschwörung bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft, die seit Januar in der Sache ermittelt, wirft Hwang vor, Gelder in Höhe von 2,8 Milliarden Won (2,3 Millionen Euro) veruntreut zu haben. Er soll einen Teil der Summe als Schmiergeld an Politiker gezahlt sowie zum Kauf menschlicher Eizellen missbraucht haben. Letzteres verstößt gegen das 2005 in Südkorea in Kraft getretene Bioethikgesetz. (APA/Reuters)

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