Quanten-Titanen treffen sich

21. Juli 2006, 16:51
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800 Physiker, darunter acht Nobelpreisträger, bei der 20. Konferenz für Atomphysik vom 16. bis 21. Juli in Innsbruck

Innsbruck - Mehr als 800 Physiker aus aller Welt treffen sich vom 16. bis 21. Juli 2006 in Innsbruck zur 20. Internationalen Konferenz für Atomphysik (ICAP) - darunter acht Nobelpreisträger und zahlreiche herausragende Vertreter der Quantenphysik. Themenschwerpunkte werden unter anderem die Quanten-Informationsverarbeitung, kalte Atome und Moleküle sowie die Präzisions-Spektroskopie sein.

Die Tagung steht ganz im Zeichen der aktuellsten Entwicklungen im Bereich der Quantenphysik. So gilt das gesamte Gebiet der kalten Moleküle derzeit als großes Thema. Ultrakalte fermionische Atome (Teilchen mit halbzahligem Drehimpuls) unterscheiden sich in ihren Eigenschaften fundamental von jenen der entsprechenden Bosonen (ganzzahliger Drehimpuls).

Besonders wird dabei der Übergang von einzelnen Fermionen zu bosonischen Molekülen aus zwei Fermionen diskutiert werden. Große Bedeutung kommt auch dem Gebiet der Präzisions-Spektroskopie zu. Hier geht es um die Messung von optischen Frequenzen, die auch eine extrem genaue Bestimmung von Naturkonstanten erlaubt. Dies wiederum ermöglicht die Verfeinerung von physikalischen Theorien und damit ein besseres Verständnis der Naturgesetze.

Grundlagen für Quantencomputer

Ein ebenso wichtiges wie spektakuläres Thema ist das Gebiet der Quanteninformation. Hier werden schon heute die Grundlagen für zukünftige Quantencomputer, die Quantenkryptographie und die Quantenkommunikation gelegt. Diese bei der Konferenz diskutierten Erkenntnisse der Grundlagenforschung werden auch nachhaltige Wirkungen auf die moderne Technologie haben. So wären Anwendungen wie satellitengestützte Navigationssysteme ohne exakte Lasertechnologie und das Wissen der Quantenphysik heute nicht möglich.

"Aus unserer Forschung wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine neue Quantentechnologie entwickeln, die unsere Welt ähnlich radikal verändern wird, wie die Mechanisierung des 19. Jahrhunderts und die Elektrifizierung des 20. Jahrhunderts", prophezeit der Innsbrucker Quantenphysiker, Univ.-Prof. Rainer Blatt, einer der Organisatoren des Kongresses.

Drei Vorjahrs-Nobelpreisträger

An der. Konferenz nehmen auch die drei Nobelpreisträger des Vorjahres teil: Theodor W. Hänsch aus München sowie Roy J. Glauber und John L. Hall aus den USA. Sie wurden für ihre Beiträge zur Entwicklung der auf Laser gegründeten Präzisions-Spektroskopie ausgezeichnet. Damit lässt sich die Frequenz von Licht mit einer sehr hohen Genauigkeit messen. Heute ist diese Technik die Grundlage für die Entwicklung von zukünftigen Quantencomputern oder für die Arbeit mit kalten Atomen.

Ebenfalls an der Tagung teilnehmen werden zwei Nobelpreisträger des Jahres 2001, Wolfgang Ketterle und Carl E. Wieman. Beide arbeiten in den USA und wurden für die Erzeugung der ersten Bose-Einstein-Kondensate aus Alkaliatomen ausgezeichnet. Der Franzose Claude Cohen-Tannoudji und der Amerikaner William D. Phillips wurden 1991 für die Entwicklung von Methoden zum Kühlen und Einfangen von Atomen mit Hilfe von Laserlicht mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Mit Norman F. Ramsey (Nobelpreis 1989) und den Ehrengästen David Kleppner und David Wineland sind weitere renommierte Vertreter der Physik in Innsbruck zu Gast.

Die letzte Internationale Konferenz für Atomphysik fand im Jahr 2004 in Rio de Janeiro statt, die nächste wird 2008 in den USA abgehalten. (APA)

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    foto: icap
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