Therapie bei Multipler Sklerose

4. Juli 2006, 18:15
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Neues Medikament Natalizumab verlangsamt den Krankheitsverlauf - Zwei Drittel der Betroffenen sind weiblich

Wien - Eine Verbesserung für PatientInnen mit Multipler Sklerose (MS) verspricht das neu zugelassene Medikament Natalizumab (Tysabri). Dabei handelt es sich um monoklonale Antikörper, die das Eindringen von aggressiven Zellen in das Zentralnervensystem hemmen, erklärte Dr. Franz Fazekas von der Grazer Universitätsklinik für Neurologie am Dienstag bei einer Pressekonferenz. In klinischen Studien konnte eine deutliche Reduktion der Krankheitsschübe und der fortschreitenden Behinderung nachgewiesen werden.

Mehrheit der PatientInnen Frauen

Bei MS handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der fehlgesteuerte Abwehrzellen Nervenbahnen angreifen und dabei vor allem deren Isolationsschicht schädigen. In Österreich gibt es mehr als 8.000 Betroffene, mehr als zwei Drittel davon sind Frauen. Die Krankheit führt zu Gefühlsstörungen, Sehbeeinträchtigung und in späterer Folge zu Behinderungen und Invalidität. MS tritt vor allem im jungen Erwachsenenalter, manchmal auch schon bei Kindern und Jugendlichen auf.

Therapie-Erfolge

In klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass Natalizumab zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs führt. Bei den 942 ProbandInnen einer Untersuchung konnte die Anzahl der Schübe innerhalb von zwei Jahren um 68 Prozent reduziert werden, berichtete Fazekas. Verringert wurde auch die fortschreitende Behinderung um 42 Prozent sowie die Anzahl der festgestellten Läsionen. Auch bei stark fortschreitender MS führe der Einsatz des Medikaments zu einer deutlichen Verbesserung, sagte der Mediziner.

Infusions-Verabreichung

Bei den bisher eingesetzten immunmodulatorischen Therapien habe man die Schübe um etwa 30 Prozent reduzieren können, stellte Fazekas fest. Einen deutlichen Unterschied zu Natalizumab zeigt sich bei der Verabreichung der Präparate. Während die bisherigen Medikament täglich bis einmal pro Woche injiziert werden müssen, wird Natalizumab alle vier Wochen als intravenöse Infusion verabreicht. Die Behandlung wird von niedergelassenen ÄrztInnen durchgeführt und dauert mit anschließender Beobachtung etwa zwei Stunden.

Nebenwirkungen

Eingesetzt werden kann das eingeschränkt zugelassene Medikament Natalizumab bei PatientInnen, die auf eine immunmodulierende Behandlungen nicht ansprechen oder an stark fortschreitender MS leiden. Die Anwendung ist im Allgemeinen gut verträglich, sehr selten sind aber dennoch schwere Nebenwirkungen möglich, erklärte Fazekas. So wurde das Medikament in Studien mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer fortschreitenden Gehirnentzündung in Verbindung gebracht. (APA)

  • Multiple Sklerose: Die weißen Flecken in einem weiblichen Gehirn zeigen zerstörtes Gewebe.
    foto: der standard
    Multiple Sklerose: Die weißen Flecken in einem weiblichen Gehirn zeigen zerstörtes Gewebe.
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