Der wilde Willi von der Eisenbahn

19. Juli 2006, 15:35
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Haberzettl als Nachfolger von Beck lässt künftig eine pragmatischere Konfliktbewältigung mit der SPÖ erwarten

Wien - Wilhelm Haberzettl ist bestimmt kein Leiser, auch wenn ihn der Ruf des stets Verhandlungsbereiten begleitet. Der 1955 in St. Pölten geborene gelernte Fahrdienstleiter der ÖBB kann ganz gut anders, wie er 2003 bewies, als er die Züge für 66 Stunden anhalten und das streikscheue Österreich einen Hauch italienischer Zustände spüren ließ.

Dass nun ausgrechnet der "wilde Willi", wie er von Genossen manchmal genannt wird, die Führung der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter übernimmt, darf wohl als Signal für eine pragmatischere Konfliktbewältigung mit der SPÖ gedeutet werden. Allzu sehr strapazieren sollte die SPÖ die Konsenbereitschaft des neuen FSG-Chefs aber nicht, der dem Parteivorsitzenden Alfred Gusenbauer in der Vergangenheit mehr Kritik als Respekt zukommen ließ. Für die gebeutelte Gewerkschaftsbewegung ist Haberzettl vor allem der lebende Funktionärsbeweis, dass alte Werte wie Solidarität, Verlässlichkeit und Unbestechlichkeit doch kein leerer Wahn sind. Auf seine Laufbahn fiel seit seinem Berufseinstieg mit 17 Jahren nie der Schatten der Korrumpierbarkeit, und von den Penthäuslern der Bewegung hat er sich stets mindestens so weit ferngehalten wie von jenen Kollegen, die Verhandlungen mit dem Sozialpartner vor allem als Mauschelei begriffen. Mittlerweile gilt Haberzettl nicht nur als Hoffnungsträger für die Erneuerung des ÖGB, sondern auch als potenzieller Kandidat für höchste Parteiämter. (kob, DER STANDARD, Print, 5.7.2006)

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    Wilhelm Haberzettl

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