Renault und Nissan wollen Allianz mit General Motors

4. Juli 2006, 19:43
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GM-Verwaltungsrat trifft sich am Freitag - Renault und Nissan zu Gesprächen bereit - Drei Autokonzerne hätten Marktanteil von mehr als 25 Prozent

Stuttgart - Der französische Autokonzern Renault und sein japanischer Partner Nissan haben ihre Fühler nach dem angeschlagenen US-Hersteller General Motors ausgestreckt: Noch stecken die Pläne für ein mögliches Dreierbündnis in den Kinderschuhen. Gespräche über eine Allianz wurden noch nicht aufgenommen. Doch GM-Großaktionär Kirk Kerkorian, der 9,9 Prozent an dem Opel-Mutterkonzern hält, macht Druck.

Er hatte bereits in der Vergangenheit die aus seiner Sicht schleppende Sanierung des US-Konzern kritisiert, der im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von mehr als 10 Mrd. Dollar (7,82 Mrd. Euro) eingefahren hatte. Offenbar vertraut Kerkorian, der mit dem Vorschlag für eine Dreier-Allianz an die Öffentlichkeit ging, nun auf die Fähigkeiten von Renault-Chef Carlos Goshn, die dieser bei der Nissan-Sanierung eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte.

Renault und sein japanischer Partner Nissan hatten sich am Montagabend für Gespräche über einen möglichen Verbund mit GM aus unter der Bedingung, dass der angeschlagene Autokonzern einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Nach Informationen japanischer Medien könnten Renault und Nissan bis zu 20 Prozent der Anteile an GM erwerben. Der Verwaltungsrat von GM will sich indes am Freitag treffen. Dies hat die "New York Times" am Dienstag in ihrer Onlineausgabe berichtet. GM nahm keine Stellung.

Während DaimlerChrysler nach seinem Einstieg bei dem japanischen Autobauer Mitsubishi mit einem Berg von Problemen zu kämpfen hatte und sein Abenteuer schließlich beendete, hat Frankreichs Vorzeigeunternehmen seine Beteiligung an Nissan bisher nicht bereut. Und der Erfolg hat einen Namen: Charlos Ghosn. Der heutige Renault-Chef brachte Nissan auf Vordermann. Mit viel Fingerspitzengefühl für die fremde Unternehmenskultur schaffte er die Rückkehr des Autobauers in die Gewinnzone.

Gewinn oder Rücktritt

Der in Brasilien geborene Ghosn begann 1999 mit dem Versprechen, bei Nissan entweder bis 2001 einen Gewinn zu erzielen oder andernfalls zurückzutreten. Die Sanierung gelang überraschend schnell. Anfängliche Vorbehalte schwanden, da sich Ghosn mit Nissan identifizierte, seine Schritte erklärte und Japanisch lernte. Sein Führungsstil zeigte sich in Zielvorgaben für Dreijahrespläne mit klar umrissenen Aufgaben.

Der Manager erreichte auch eine Abkehr vom in Japan üblichen Konsensdenken. So ersetzte er bei Beförderungen das Senioritätsprinzip durch Qualifikation und kappte jahrzehntealte Vereinbarungen mit Zulieferern. Er schloss drei Fabriken, baute 21.000 Stellen ab, führte leistungsbezogene Bezahlung ein und veräußerte den Beteiligungs- und Immobilienbesitz. Vorteile brachte auch die teilweise Zusammenlegung der Forschung mit Renault sowie ein gemeinsamer Teileeinkauf.

Renault hält 44 Prozent an Nissan, die Japaner sind umgekehrt zu 15 Prozent an dem französischen Konzern beteiligt ist. Ein Verbund der drei Autokonzerne würde über einen Marktanteil von nahezu 25 Prozent verfügen und damit über die mit Abstand stärkste Position auf dem weltweiten Automarkt. Welche Rolle der Renault-Chef bei einem Dreierbündnis in Zukunft spielen könnte, scheint allerdings vorerst völlig unklar. (APA)

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