London: Al-Kaida wollte sich in MI5 einschleusen

17. Juli 2006, 14:17
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Britischer Geheimdienst sollte Medienberichten zufolge unterwandert werden

London/Nikosia - Anhänger der Terrororganisation Al-Kaida sollen versucht haben, die britischen Geheimdienste zu unterwandern. Nach Medienberichten vom Dienstag haben sich Al-Kaida-Sympathisanten beim Geheimdienst MI5 beworben, der für die Inlands-Aufklärung zuständig ist. Die radikalen Islamisten seien jedoch im Laufe des Auswahlverfahrens enttarnt worden.

Nach Informationen der Tageszeitung The Guardian und der BBC versuchten in den vergangenen Monaten mehrere Al-Kaida-Anhänger, mit normalen Bewerbungen in den Geheimdienst zu gelangen. Im Lauf des mehrmonatigen Auswahlverfahrens seien sie jedoch aufgefolgen. Seit den Anschlägen am 7. Juli des vergangenen Jahres, bei denen vier Selbstmord-Attentäter in der U-Bahn und einem Bus 52 Menschen mit in den Tod rissen, sind die britischen Geheimdienste verstärkt auf der Suche nach Informanten in der islamischen Szene. Dazu haben die Geheimdienste auch Stellenanzeigen geschaltet. Das britische Innenministerium wollte sich zu den Berichten nicht näher äußern. Bestätigt wurde nur, dass mehrere Bewerber aus Sicherheitsgründen abgelehnt worden seien.

Ein neuerlicher Terroranschlag in Großbritannien sei "unvermeidbar", erklärte indes der britische Außenstaatssekretär Kim Howell kurz vor dem ersten Jahrestag der Londoner Bombenanschläge. Howell gab auch bekannt, dass seit den Selbstmordattentaten vom 7. Juli 2005 einige Anschläge vereitelt wurden.

Das Terrornetzwerk Al-Kaida sei "einfallsreicher"geworden und kümmere sich mehr um den Erfolg seiner Anschläge, so Howell. Um den Terror zu bekämpfen, müsse man die Diskussion zwischen den Religionen fördern. "Und das ist nicht einfach, wenn Vertreter mancher Religionen glauben, dass es ihr Job ist, Unschuldige zu töten".

Der britische Premier Tony Blair forderte die islamische Gemeinde in Großbritannien auf, sich stärker gegenüber radikalen Islamisten abzugrenzen. Bisher gebe es in den muslimischen Gemeinden noch keine ausreichende Debatte. (dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2006)

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