Kulterer übergibt Kiste voll Unterlagen

27. Juli 2006, 13:49
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Der Bank-Chef hat den Vorortprüfern Unterlagen übermittelt - Das FMA-Verfahren wird bis August dauern

Wien- Das Prüfverfahren der Finanzmarktaufsicht FMA gegen die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank (HAA) unter Wolfgang Kulterer wird länger dauern als erwartet. Bisher ging man davon aus, dass die FMA ihren Bescheid in der Causa in der ersten oder zweiten Juli-Woche erstellen wird - tatsächlich wird es erst Ende Juli, Anfang August so weit sein.

Drei Vorständen droht Amtsenthebung

Die Behörde ermittelt nach einem Spekulationsverlust von rund 320 Mio. Euro gegen drei Vorstandsmitglieder der Bank (Kulterer, Günther Striedinger und Thomas Morgl); ihnen wird auch vorgeworfen, sie hätten den Verlust nicht ordnungsgemäß verbucht und nicht vorschriftsmäßig darüber informiert. Allen dreien droht seitens der Aufsicht die Amtsenthebung; zusätzlich laufen gerichtliche Vorerhebungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

"Unüblich umfangreich"

Vorige Woche hat Kulterer seine Stellungnahme zum Vorort-Prüfbericht der Notenbank (OeNB) in eine Kiste verpackt abgegeben, "ein unüblich umfangreiches Konvolut mit sehr vielen Beilagen", wie es heißt. Der OeNB-Bericht war sehr kritisch ausgefallen: Das Risikomanagement für die hoch komplexen, kombinierten Produkte, mit denen die Hypo-Treasurer gehandelt haben, war "nicht adäquat", die in diesen Fällen nötige, aufwändige EDV für die Beobachtung der Geschäfte war zum Zeitpunkt, als die Verluste eintraten, schlicht nicht vorhanden. Ein Informierter drückt das so aus: "Die Banker hatten nicht das ausreichende Know-how, um diese Produkte samt der Plötzlichkeit, mit der bei ihnen Verluste auftreten können, zu beurteilen."Noch jetzt liefen die entsprechenden EDV-Projekte, "in Kürze werden die Kärntner so weit sein, dass ihre Systeme passen".

Das weitere Procedere: Die OeNB arbeitet die Darstellung der Banker in ihren Bericht ein, danach ist wieder die FMA am Wort. Sie holt dann nochmals eine Stellungnahme der Banker ein, um anschließend ihren Bescheid zu erlassen. (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe, 04.07.2006)

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