Mehr Risiken für Versicherer

27. Juli 2006, 13:56
posten

Mit neuen Modellen müssen Katastrophen finanzierbar werden

Wien - Die aufgrund des Klimawandels zu erwartende Zunahme von Naturkatastrophen mit hohen Versicherungsschäden veranlasst die großen Rückversicherer, sich mit alternativen Berechnungsmodellen abzusichern.

Am Finanzmarkt haben sich dazu Instrumente von teils hoch spekulativer Natur gebildet, erklärt Silvio Tschudi, Leiter der Abteilung Naturgefahren bei Swiss Re Germany. Diese Lösungen sind Wetterderivate oder Naturkatastrophenbonds (so genannte CatBonds), die frei handelbar sind, und bei denen bestimmte Versicherungsrisiken an Investoren am Kapitalmarkt abgegeben werden. Rückversicherer geben auch an ihre Kunden, die Versicherungsgesellschaften (im Versicherungsjargon Erstversicherer genannt) ihre Risiken teilweise im Zuge einer Retrozession wieder zurück.

Emissionsreduktion als Anliegen der Versicherungen

Weitere langfristig angelegte Möglichkeiten einer Risikominimierung sieht man bei Swiss Re darin, dass der Versicherer gezielt Finanzlösungen anbietet, bei denen ein Einsatz von solchen Technologien in Unternehmen unterstützt wird, die Emissionen reduzieren. Auch wolle man die Assets von Swiss Re vermehrt in Projekte stecken, die Treibhausneutralität oder Emissionsreduktion zum Ziel haben, erklärt Tschudi.

Allerdings, betont der Geologe, sind die immer höheren Schäden nicht nur in der Klimaveränderung begründet. Die hohen Schäden ergeben sich auch daraus, dass es "Wertekonzentrationen", etwa in exponierten Regionen, wie an Floridas Küsten, gebe. Außerdem gibt es auch eine höhere Versicherungsdurchdringung, wobei allerdings zu beobachten ist, dass sich gerade in diesen Regionen viele die teurer gewordenen Versicherungen nicht mehr leisten wollen oder können.

Pflichtversicherung gefordert

Was Österreich betrifft, regt Tschudi an, dass es auch für Hochwasser- oder andere Katastrophenfälle zu Pflichtversicherungsmodellen kommt. Derzeit sind in Österreich bei Häusern nur Feuerversicherungen obligatorisch. Durch die große Zahl der Versicherten käme es so für den Einzelnen zu leistbaren Prämien.

Swiss Re ist durch die Übernahme des US-Versicherers General Electric Insurance Solutions im Juni 2006 um 7,4 Mrd. US-Dollar (5,9 Mrd. Euro) zum weltgrößten Rückversicherer aufgestiegen. Die Belastungen von Swiss Re alleine aus den Hurrikanschäden des Vorjahres werden mit knapp zwei Milliarden Euro angegeben. (ruz, DER STANDARD Printausgabe, 04.07.2006)

Share if you care.