Ein Sprung vor dem Ende des Weges

5. Juli 2006, 23:14
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Portugal will in München den historischen Sprung über Frankreich ins Fina­le wagen - Das Sprung­brett ist schon aufge­stellt: Luiz Felipe Scolari

München - Der Mann habe, sagt einer, der über andere so etwas normalerweise nicht sagt, Hände wie ein Zauberer. José Mourinho, der ansonsten eher im Eigenlob daheim seiende Trainer des FC Chelsea, sagt also: "Es gibt nicht viele Trainer, die solche Rekorde vorweisen und ein Team so motivieren können, dass es auf diesem Level spielt."

Aber andererseits, was hätte Mourinho schon viel anderes sagen können über Luiz Felipe Scolari, den Brasilianer, der Portugal erstmals seit 1966 ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft gebracht hat. Und das mit Spielern, die anderswo keineswegs als Hoffnungsträger galten, wie Mourinho zusätzlich anmerkt. "Ricardo war nicht immer erste Wahl bei Sporting, Maniche hat kaum gespielt, Costinha ist ohne Klub, und Nuno Valente musste sogar für Portos B-Team spielen. Aber Scolari hat ihnen vertraut und gesagt, dass er auf sie setzt."Und auch den alten Figo hat er ja erst aus der selbst verordneten Teamrente holen müssen.

Jetzt steht ganz Portugal, wie zu erwarten gewesen ist, Kopf vor diesem Brasilianer und seiner Mannschaft. "Es ist die beste Generation, die Portugals Fußball je gesehen hat", singt die Sportzeitung Bola. Und am Mittwoch (21 Uhr) in München gegen Frankreich kann diese Generation den Rekord ihres Trainers in beinahe schwindelnde Höhen treiben. Schon jetzt vermerkt das Geschichtsbuch Scolari als Einzigen, der titelverteidigend ein anderes Team ins Halbfinale gecoacht hat. Wenige Monate nach dem Titelgewinn mit Brasilien übernahm er das portugiesische Team, brachte es ins Halbfinale der Heim-EM. Und jetzt, freut sich oder hofft ganz Portugal, wird er zwei Jahre anhängen, bis zur EM 2008. Ende April hat er ein Angebot Englands abgelehnt, die Portugiesen haben nun einen Sponsor aufgetrieben, der das 1,5-Millionen-Jahressalär des Zauberers berappen wird.

Kann ganz gut sein, der Mann, der mit 32 Siegen en suite Portugals erfolgreichster Teamcoach aller Zeiten ist, ist sein Geld wert. Gegen Frankreich spricht allerdings die Statistik. Der bisher letzte Sieg liegt schon 31 Jahre zurück, insgesamt gab es fünf Siege, ein Remis und 15 Niederlagen. Dazu kommen Personalsorgen: Midfielder Petit muss gelbbedingt pausieren, Kapitän Figo und Cristiano Ronaldo pflegten die Wunden, die das Viertelfinale geschlagen hat. Scolari meint gleichwohl: "Wir werden bis Mittwoch wieder eine sehr schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen." (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 4. Juli 2006, APA, wei)

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    Es gab Zeiten, da sind Portugals Leader Luis Figo und Deco kaum miteinander ausgekommen. Jetzt, da sie an einem Strang ziehen, läuft das Werkl.

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