Perfekter Spielort, aber zu wenig polternd

3. Juli 2006, 20:32
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Robert Herzl, seit dem Vorjahr Badener Intendant, hat die Eröffnungspremiere von Millöckers "Bettelstudent" selbst inszeniert

Auch Musikfreunde verlangen im Sommer nach etwas Leichtem, und Operettenfestivals haben Hochsaison. Den Auftakt macht dabei stets Baden bei Wien, das mit der (heuer 100 Jahre alten) Sommerarena über einen perfekten Spielort verfügt: Hat der Bau aus der Kaiserzeit doch ein Schiebedach.

Robert Herzl ist seit dem Vorjahr Badener Intendant, und die Eröffnungspremiere von Karl Millöckers Bettelstudent hat er selbst inszeniert. Und auch das Textbuch ein wenig umgeschrieben: Die Rolle des polnischen Rebellen Jan (Thomas Sigwald) ist aufgewertet, die erste Szene gestrichen. Stattdessen hat der sächsische Oberst Ollendorf sogleich seinen Auftritt.

Und das ist auch der Schwachpunkt der Inszenierung: Jörg Trekel ist nicht der polternde Komödiant, der er als Ollendorf sein müsste. Und auch Herzl, ansonsten für seine Gags und spritzigen Ideen bekannt, liefert eine etwas zu biedere Regie. Erstklassig jedoch die Orchesterleistung - Routinier Franz Josef Breznik hat sich in die Riege großer Operettendirigenten eingereiht.

Am 8. Juli gibt es die nächste Premiere - die selten gespielte Clivia von Nico Dostal. Aus dem Jahre 1933, aber mit einer immer noch aktuellen Story: In der südamerikanischen Republik Boliguay ist der linksgerichtete Präsident Olivero an die Macht gekommen. Der US-Geschäftsmann Potterton schürt einen Putsch; Filmstarlet Clivia wird von beiden begehrt. (hast/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2006)

  • "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst!", rechtfertigt sich Oberst Ollendorf in "Der Bettelstudent".
    foto: merkel

    "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst!", rechtfertigt sich Oberst Ollendorf in "Der Bettelstudent".

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