Kopf des Tages: Christian Streiff

27. Juli 2006, 19:50
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Der neue Airbus-Konzernchef ist Hobbypilot mit literarischen Ambitionen

Seine private Leidenschaft ist nicht die schlechteste Grundlage für das künftige Business: Christian Streiff soll als neuer Chef des europäischen Flugzeugbauers den Airbus aus der Krise fliegen. Zwar hat der 51-Jährige bisher beruflich noch nichts mit Flugzeugen zu tun gehabt und sein eigener Sportflieger ist auch deutlich kleiner dimensioniert als der doppelstöckige Großraumjet A380. Doch die deutsche Bundesregierung zeigt sich dennoch erfreut über den Wechsel an der Konzernspitze und sieht das deutsch-französische Gleichgewicht gewahrt.

Franzose mit deutschen Wurzeln

Topmanager Streiff, der den Deutschen Gustav Humbert ablöst, ist zwar ein Franzose, hat aber deutsche Wurzeln. Zweisprachig aufgewachsen ist er in Lothringen, in Paris absolvierte er die Elite-Schmiede Ecole Nationale Superieure des Mines. Danach stieg der mit Mitte 20 gleich bei einem der großen französischen Unternehmen ein: dem Glaskonzern Saint-Gobain, der auch das Glas für die berühmte Pyramide im Pariser Louvre geliefert hat.

Dort war er in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig - vom Gießereiwesen für die Kfz-Industrie bis über die Glasfaser- und Verpackungstechnik bis hin zur Keramik- und Kunststoffherstellung.

Kardinal als Papst

Insgesamt war Streiff 26 Jahre bei Saint-Gobain, bevor er 2004 stellvertretender Chef wurde. Das allerdings blieb er nur ein Jahr. "Ein guter Kardinal ist noch lange kein guter Papst", zitierte die französische Tageszeitung Le Mondeeinen Insider des Konzerns.

Streiff selbst bezeichnet sich als "Franzosen und Halbdeutschen". Mehrere Stationen seiner Karriere verbrachte er im nordrhein-westfälischen Herzogenrath, in Aachen und bei der Halberger Hütte im Saarland.

In Aachen leitete er von 1985 bis 1992 eine Glasfabrik von Saint-Gobain. In diesen Jahren fiel die Berliner Mauer, es folgte die Wiedervereinigung und der Aufbau Ost, der an so vielen Orten keiner war. Obwohl Streiff beruflich stark eingespannt war, tat er etwas, was noch keinem Topmanager eingefallen ist: Jeden Tag setzte er sich von fünf bis sieben Uhr in der Früh an seinen Computer und schrieb den Roman "Kriegspiel"(erschienen im Straßburger Verlag "La Nuée Bleue").

Überlebenskampf

Darin beschreibt der Frühaufsteher der den Überlebenskampf eines ostdeutschen Glasfaserwerkes in der Nach-Wende-Zeit. Zwei Manager - vor Ort der ostdeutsche Werksleiter Anton Kremer und im Westen der Franzose Roger Cordat - versuchen, das Werk zu retten.

Zunächst haben sie eine geschäftliche Verbindung, daraus wird jedoch Freundschaft. Doch am Ende scheitert beides. Der Roman hat zwar autobiografische Züge, doch in Wirklichkeit ist Streiff in Deutschland wesentlich erfolgreicher. Er ist Aufsichtsratsmitglied bei ThyssenKrupp und Continental. (Birgit Baumann, DER STANDARD Printausgabe, 04.07.2006)

  • Airbus-Chef Christian Streiff: Franzose mit perfekten Deutsch-Kenntnissen
    foto: standard

    Airbus-Chef Christian Streiff: Franzose mit perfekten Deutsch-Kenntnissen

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