Tiroler Frauenhaus fürchtet um Autonomie

3. Juli 2006, 18:55
10 Postings

Land und Stadt sorgen nicht für finanzielle Absicherung: Nun droht gar das Aus

Tirol liegt beim Angebot für Schutz suchende Frauen bundesweit an letzter Stelle. Die Warteliste wird länger. Nun droht dem Autonomen Frauenhaus gar das Aus.


Innsbruck - Seit bald zwei Jahren ist die Finanzlage des Autonomen Frauenhauses in Tirol prekär. Der Fortbestand sei bei einem Bedarf von 126.000 Euro "massiv gefährdet", sagt Frauenhaus-Sprecherin Gabi Plattner.

Obwohl häusliche Gewalt an Frauen und Kindern in Tirol erneut zugenommen und sich die Warteliste beim Frauenhaus auf 22 Frauen und 30 Kinder verlängert hat, sorgen Land und Stadt Innsbruck nicht für die finanzielle Absicherung. Der ins Auge gefasste Umzug in ein größeres Haus kann nicht stattfinden. Dabei bildet Tirol mit 19 Plätzen bundesweit das Schlusslicht beim Angebot für Frauen und Kinder, die Opfer von häuslicher männlicher Gewalt wurden: selbst in den kleineren Bundesländern Vorarlberg (21 Plätze), Burgenland (24), Salzburg (48) und Kärnten (75) ist das Angebot besser.

Statt Geld locker zu machen, will Tirols Landesregierung nun gemeinsam mit der Stadt Innsbruck eine "von der öffentlichen Hand getragene Einrichtung"schaffen. Diese Ankündigung von Frauenlandesrätin Elisabeth Zanon (VP) kam für das Frauenhaus völlig überraschend. Von einer geplanten Änderung der Trägerschaft nach 25 Jahren erfuhr Sprecherin Gabi Plattner Ende vergangener Woche von JournalistInnen. "Mit uns hat niemand darüber gesprochen", so Plattner, die gerade die Öffentlichkeit über die prekäre Finanzlage informierte.

Die SPÖ reagiert zurückhaltend in puncto öffentlicher Trägerschaft: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ÖVP eine Einrichtung wie das Frauenhaus, das für seine Arbeit geschätzt wird, durch eine öffentliche Einrichtung ersetzen will", sagt SP-Klubchef Ernst Pechlaner.

Gemeinsamer Antrag

Dennoch werden beide Koalitionsparteien im Juli-Landtag einen Antrag einbringen, mit dem die Regierung aufgefordert wird, "ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, welches auf eine verbesserte Koordination aller derzeit in diesem Bereich tätiger Institutionen abzielt."Dabei "soll auch eine gemeinsame Trägerschaft geprüft werden", heißt es.

"Es freut uns, sollte das Frauenhaus abgesichert werden, aber öffentliche Trägerschaft wäre ein Bruch", sagt Plattner. Unabhängigkeit sei im Gewaltschutzbereich wichtig. 2005 wurde in Tirol ein Anstieg häuslicher Gewalt verzeichnet. Die Interventionsstelle hat 758 Personen betreut, 2004 waren es 624. (Benedikt Sauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7. 2006)

Share if you care.