Opernproduzentin aus Leidenschaft

27. Juli 2006, 16:09
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Wilhelmine Goldmann verzichtete ganz bewusst auf ein ÖBB-Sponsoring

Wien - Wilhelmine Goldmann, Chefin der ÖBB-Personenverkehr AG, hat ein nicht alltägliches Hobby: mit Freunden, darunter dem Dirigenten Tiziano Duca, große Opern, am liebsten von Guiseppe Verdi, aufzuführen. Und zwar im Sommer unter Sternen mit einem Niveau, das professionellen Produktionen ebenbürtig ist. Das bedeutet nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine logistische Herausforderung. Denn jedes Jahr müssen rund 150 Mitwirkende koordiniert und zum Teil privat untergebracht werden: Aus Kostengründen verpflichtet Goldmann Chorsänger und Tänzer aus Bulgarien oder der Tschechischen Republik, die für "Gottes Lohn"auftreten, aber Wien kennen lernen können, was sie gerne tun.

Verdis Ernani in der Roßauer Kaserne

Von 2002 bis 2004 bespielte die Opernwerkstatt erfolgreich den malerischen Park hinter Schloss Neuwaldegg. Doch die Miete wurde zu teuer: Seit dem Vorjahr gewährt das Verteidigungsministerium den Belcanto-Fans Unterschlupf in der restaurierten Roßauer Kaserne. Was für das Militär einen positiven Nebeneffekt hat: Die Trutzburg bekam ein positiveres Image. Heuer steht Verdis Ernani mit Maurizio Graziani und Latonia Moore am Programm (Premiere 15. Juli um 20.45 Uhr, Reprisen 17., 19. und 21. Juli).

Goldmann als Cellistin

Ein Schlechtwettertag hat für den Verein, der von der öffentlichen Hand unverständlicherweise keine Subventionen erhält, katastrophale Folgen. Da es nicht einmal eine Ausfallhaftung gibt, muss Goldmann, die im Orchester als Cellistin werkt, jedes Defizit selbst ausgleichen; 2005 betrug es 70.000 Euro (das Gesamtbudget lag bei 200.000).

Ihre politischen Kontakte - Goldmann hat beste Verbindungen zur SPÖ - nutzt sie aber bewusst nicht. Sie lehnte auch die ÖBB als Sponsor ab, um den üblen Beigeschmack, sie würde sich Geld zuschanzen, zu vermeiden. Dass ihr öffentliches Engagement den Bundesbahnen auch ohne ÖBB-Logo zur Ehre gereicht, davon ist sie überzeugt. (Thomas Trenkler, DER STANDARD Printausgabe, 04.07.2006)

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    foto: standard/urban
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