Konflikt in Rot: Volle Kraft zurück

5. Juli 2006, 08:25
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Nach den bedrohlichen Tönen von der FSG-Spitze, die Bande zur SPÖ zu zerreißen, rudern beide Seiten kräftig zurück

Nach den bedrohlichen Tönen von der FSG-Spitze, die Bande zur SPÖ zu zerreißen, rudern beide Seiten kräftig zurück: Noch vor dem FSG-Vorstand am Donnerstag sollen sich Alfred Gusenbauer und Wilhelm Beck wieder versöhnen.

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Wien - "Sehr geehrter Herr Parteivorsitzender, als Vertreter vieler Betriebsratskollegen, bitte ich Sie um einen Rat! Zuerst möchte ich mich aber bei Ihnen bedanken, dass wir bei diesen Wahlen unsere Freizeit nicht opfern müssen. Da die Trennung zwischen ÖGB und der SPÖ von der Parteispitze abgesegnet wurde, nehme ich an, dass Sie mehr als genug Freiwillige gefunden haben, die in unseren Betrieben und auf der Strasse sich für die SPÖ einsetzen werden!

Nun zu unserem Problem: Da wir nach der Wahl keine Vertretung des ÖGB über die SPÖ in der Regierung haben werden, wird es schwierig, unseren Tausenden von Mitarbeitern eine Wahlempfehlung abzugeben! Sollen wir die ÖVP, die ihre ÖGB-Vertreter sicher kandidieren lässt, oder sollen wir Herrn Strache, der im ,Kronen Zeitung'-Inserat verspricht, alle im Stich gelassenen zu vertreten, empfehlen?"

Es sind E-Mails wie jenes des Betriebsratsvorsitzenden eines großen Leder verarbeitenden Unternehmens in Niederösterreich, die den SPÖ-Wahlkampfmanagern die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Oder auch die Tatsache, dass bei einem Treffen der Metallergewerkschaftsjugend jüngst Flugblätter ausgeteilt wurden mit dem Inhalt "SPÖ trotz Gusenbauer". Dazu kommt noch die Tatsache, dass alle Wahlkampfaktivitäten vorerst auf Eis gelegt wurden und die FSG am Donnerstag in ihrem Bundesvorstand auch einen Totalrückzug aus der SPÖ debattieren will.

Damit dieser Knalleffekt am Donnerstag ausbleibt, entwickelten einige Gewerkschafts- und SPÖ-Spitzenvertreter nun emsige Aktivitäten. GPA-Chef Wolfgang Katzian soll es am Wochenende gelungen sein, ein Treffen zwischen Alfred Gusenbauer, FSG-Chef Wilhelm Beck und ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer zu arrangieren. Am Mittwoch, beim Fest von SPÖ-Oberösterreich-Chef Erich Haider und der Landes-FSG, ist eine weitere Zusammenkunft der drei Streithähne geplant - inklusive Versöhnung. Dazu heißt es aus Haiders Büro: "Wir arbeiten daran, alle an einen Tisch zu bekommen, weil das die einzig vernünftige Lösung ist."Auch SPÖ-Klubobmann Josef Cap gab sich am Montag auffallend zurückhaltend: "Wir befinden uns gerade in einer konstruktiven und solidarischen Phase der Debatte."

"Sture" Streithähne

Das Schwierige daran: Weder will Gusenbauer von seinem einmal eingeschlagenen Kurs (Spitzengewerkschafter und Vorsitzende von Fachgewerkschaften raus aus dem Parlament) abgehen, noch will sich FSG-Chef Beck bieten lassen, "dass man mir, der ich nie ein Mandat angestrebt habe, nun vorwirft, ich sei ein Multifunktionär", wie er sich ÖGB-intern bitter beklagte. Beck sei "stur", heißt es wiederum in der SPÖ, er habe obendrein absichtlich das Missverständnis stehen lassen, dass auch "kleine"Betriebsräte von der SPÖ-Abgrenzung betroffen seien.

Besonnene auf beiden Seiten versuchen nun zu deeskalieren. Wenn die Gewerkschaft im Wahlkampf nicht für die SPÖ "laufe", riskiere sie damit, dass die ÖVP weitere vier Jahre Gelegenheit bekomme, am "Kahlschlag der Arbeitnehmervertretungen teilzunehmen", lautet das "Wording"der SPÖ-Spindoktoren.

Auf Gewerkschaftsseite hat man da einen ganz anderen Verdacht. Gusenbauers Kampf mit dem ÖGB zur Unzeit sei, so ist zu hören, eine "Vorleistung"als kleinerer Koalitionspartner Wolfgang Schüssels. (Petra Stuiber /DER STANDARD, Prinausgabe, 4. Juli 2006)

  • Ganz allein will Alfred Gusenbauer künftig natürlich nicht im Nationalrat sitzen. Ein gutes Drittel der 69 SPÖ-Mandatare sind gleichzeitig Gewerkschafter. Also muss mit der FSG-Spitze schleunigst eine Versöhnung her. Am besten noch diese Woche.
    foto: der standard/cremer

    Ganz allein will Alfred Gusenbauer künftig natürlich nicht im Nationalrat sitzen. Ein gutes Drittel der 69 SPÖ-Mandatare sind gleichzeitig Gewerkschafter. Also muss mit der FSG-Spitze schleunigst eine Versöhnung her. Am besten noch diese Woche.

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