"Big Bags"gegen die Flut

6. Juli 2006, 10:01
3 Postings

Noch ist das Wasser nicht ganz gebannt - Mit Hubschraubern versuchen Soldaten, gebrochene Dämme zu schließen

St.Pölten/Bukarest - Nach dem verheerenden Hochwasser im nördlichen Niederösterreich wurden Montag erste Schadenserhebungen gestartet. "Für genaue Zahlen ist es aber noch zu früh", hieß es im Büro von Landesrat Josef Plank (VP). Alleine im Bezirk Waidhofen an der Thaya im Waldviertel sind rund 1500 Gebäude teils schwer beschädigt.

In der Sitzung der Landesregierung wird heute, Dienstag, ein Beschluss für Soforthilfe vereinbart. Die Betroffenen sollen bereits in den kommenden Tagen erste Auszahlungen des Landes Niederösterreich erhalten. Die Arbeiterkammer NÖ stellt für Mitglieder eine Direkthilfe in Höhe von 363 Euro und einen zinsenfreien Sonderkredit von 5000 Euro zur Verfügung.

Black-Hawks im Einsatz

Noch waren die Fluten allerdings nicht überall gebannt. Das Bundesheer begann, einen gebrochenen Damm bei Alt Prerau im Bezirk Mistelbach aus der Luft zu schließen. Black-Hawk-Hubschrauber setzten so genannte Big Bags, große Säcke, gefüllt mit Sand und Steinen, in die offenen Bruchstellen. Vom Boden aus war der Damm nicht zugänglich. Erst später konnte von Zillen aus der Damm endgültig wieder geschlossen werden. Doch bis zum Abend flossen die Wassermassen nach Tschechien ab. Während auf österreichischer Seite keine Gefahr für Menschen bestand, waren jenseits der Grenze mehrere Orte akut bedroht. Das Hochwasser hat sich auf einer Flä-che von 600 Hektar ausgebreitet.

Auch in Kleinpertholz (Bezirk Gmünd) mussten Dämme saniert werden. Die Wassermassen, die der Romaubach in den vergangenen Tage führte, spülten die Schutzwälle an einigen Stellen so stark aus, dass diese brechen könnten. Soldaten aus Weitra begannen am Montag mit Vorbereitungsarbeiten; heute, Dienstag, rücken dann Melker Pioniere mit schweren Maschinen an und reparieren die beschädigten Dammstücke.

Engagement

Um die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen im Hochwassergebiet kümmert sich das NÖ-Hilfswerk mit großen Engagement. "Mitarbeiter haben freiwillig Dienstzeiten und Urlaube verschoben", berichtete Geschäftsführer Gunther Hampel. Er bittet um Spenden auf das Konto 5.160.601 bei der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (BLZ 32.000).

Auch das hochwassergeplagte Rumänien wird neuerlich von einer Flut heimgesucht. Im Dorf Arbore in der Region Suceava sind drei Menschen vermisst, wie das Innenministerium am Montag mitteilte. In Arbore wurden am Wochenende neun Menschen von einer Sturzflut mitgerissen und getötet, darunter ein 18 Monate altes Kind. Am Montag blieben drei Schwarzmeerhäfen geschlossen, da ein Sturm die Wellen bis zu sieben Meter hoch aufpeitschte. Von den neuerlichen Überschwemmungen in Rumänien waren mindestens 70 Gemeinden betroffen. (APA, simoDER STANDARD-Printausgabe, 04.07.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Black-Hawk-Hubschrauber des Bundesheeres im Hochwassergebiet. Riesige Sandsäcke wurden per Luftweg transportiert, um einen gebrochenen Damm zu flicken.

Share if you care.