Die letzte Meile in der Tsunami-Warnung

11. Juli 2006, 15:25
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18 Monate nach der Katastrophe gibt es eine gut organisierte Frühwarnung - aber haben die Bewohner der Anrainerstaaten etwas davon, und wissen sie, was sie tun sollen?

Ein System, das vor Flutkatastrophen im Indischen Ozean warnt, ist seit Kurzem in Betrieb. 18 Monate nach dem Tsunami ist nun ein Netzwerk installiert, das die Daten über bedrohliche Wassermassen registrieren und auswerten kann.

Doch eine letzte Verbindung fehlt noch. "Der Downstream-Flow der Informationen", schreibt Quirin Schiermeier in der neuesten Online-Ausgabe von Nature, "die von den lokalen Behörden zur Bevölkerung gehen sollen, ist noch nicht gelöst."

Bis zu diesem Punkt ist alles nach dem Vorbild im Pazifischen Ozean organisiert. Dort werden schon seit Längerem alle Daten von Seismografen, und Druckdetektoren in den Meerestiefen sofort in zwei Zentren, in Japan und auf Hawaii, ausgewertet. Im Ernstfall sind nicht nur die Behörden der gefährdeten Gebiete gewarnt, es sind auch Fluchtwege ausgeschildert, und viele Bewohner werden immer wieder instruiert, wie sie handeln sollen.

High- oder Low-Tech

Die Unesco hat dieses System auf den Indischen Ozean ausgeweitet. Die Daten werden ebenfalls an die Inseln im Pazifik gefunkt, deren Warnungen können nun von 24 potenziell betroffenen Staaten empfangen werden (Somalia, Jemen, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind noch nicht vernetzt). Doch was dann?

Bei dem gegenwärtigen Stand der lokalen Infrastruktur wären, so schätzt die Unesco-Sprecherin Sue Williams, Millionen von Anrainern ebenso überrascht wie zur vorletzten Jahreswende. Weder traditionelle noch moderne Warnmethoden bieten ausreichende Sicherheit.

Sirenen sind zwar Low-Tech und allgemein verständlich, doch eine flächendeckende Installation ist zu teuer. Thailand hat eine High-Tech-Variante ausprobiert: Warnung per Handy. Aber beim ersten Versuch brach das Telefonnetz zusammen.

Und selbst wenn die Leute gewarnt sind, schreibt Schiermeier, kommt es immer noch darauf an, was sie als Nächstes tun - ob sie zum Beispiel zum Schauspiel hin- statt von den tödlichen Wellen weglaufen.

Das Schwierigste ist laut Unesco immer noch, in allen Schichten der Bevölkerung die entsprechende Bewusstheit zu schaffen. Eine Koordinierungsgruppe soll in einem Treffen Ende Juli dieses Problem behandeln. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 7. 6. 2006)

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    Erste Schritte in die richtige Richtung: eine Warntafel in Wort und Bild auf den Philippinen. Bald auch am Indischen Ozean?

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