Bilderbuchstart der "Discovery": Freude in den USA und Europa

5. Juli 2006, 16:01
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Raumfähre bringt sieben Astronauten in den Weltraum - Flug nach Angaben des Kontrollzentrums vorerst problemlos

Cape Canaveral/Houston - Der Bilderbuchstart der US-Raumfähre "Discovery" hat große Freude und Erleichterung in den USA und in Europa ausgelöst. "Einen besseren Start als heute gibt es nicht", sagte der Direktor der US-Raumfahrtbehörde NASA, Michael Griffin, am Dienstag in Cape Canaveral in Florida. Die Raumfähre bringt sieben Astronauten in den Weltraum, darunter den Deutschen Thomas Reiter. Ihm würden bald andere europäische Astronauten folgen, meinte der Direktor für bemannte Raumfahrt der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Daniel Sacotte.

Das Space Shuttle hob nach den zwei wegen Gewittern abgebrochenen Countdowns vom Wochenende am Dienstag um 20.38 Uhr MESZ bei schönstem Sommerwetter vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Der Flug verläuft nach Angaben des Kontrollzentrums in Houston (Texas) glatt und ohne Probleme. Obwohl beim Start einige Stücke Isolierschaum vom Außentank abgeplatzt seien, bestehe keinerlei Grund zur Sorge für die Crew, sagte der Shuttle-Programm-Direktor Wayne Hale nach Auswertung der ersten Bilder und Daten.

Weitere kleine Schäden

Zuvor hatte die NASA entschieden, ein kleiner Riss im Isolierschaum des Treibstofftanks sei kein Grund, den Start erneut zu verschieben. "Wir setzen den Countdown fort", erklärte der stellvertretende NASA-Chef Bill Gerstenmaier nach mehrstündigen Beratungen. Am Dienstag wurde um 10.45 Uhr MESZ planmäßig mit dem Betanken der Raumfähre begonnen.

Bei einer Pressekonferenz vor dem Start zeigte Gerstenmaier ein Stück Isolierschaum, das vom äußeren Treibstofftank der "Discovery" abgeplatzt war. Laut NASA hat es einen Durchmesser von siebeneinhalb Zentimetern. Ein Schaden wäre nach Angaben aus NASA-Kreisen erst bei einem mindestens doppelt so großen Teil zu befürchten. Nach dem erfolgreichen Start hieß es, erste Video-Aufnahmen zeigten, dass weitere kleine Teile abgebrochen seien. Dies sei aber keinerlei Grund zur Beunruhigung, die Raumfähre sei dabei offenbar nicht beschädigt worden.

Probleme mit der Isolierung des Treibstofftanks waren die Ursache des Absturzes der Raumfähre "Columbia" vor dreieinhalb Jahren gewesen. Damals hatte sich beim Start Isoliermaterial gelöst und den Hitzeschild des Shuttles beschädigt, sodass die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mit sieben Astronauten an Bord verglühte.

Die ESA teilte mit, der erste Tag im Weltall werde einer Reihe von Überprüfungen im Flug gewidmet sein, um sicherzustellen, dass die "Discovery" beim Start tatsächlich nicht beschädigt worden sei. Dann werde das Andocken an die ISS vorbereitet, das für Donnerstagnachmittag (17.00 Uhr MESZ) geplant sei.

Die Rückkehr der sechs US-Astronauten ist für den 17. Juli vorgesehen. Reiter bleibt dagegen als erster Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation zu einem Langzeitbesuch von mindestens sechs Monaten auf der ISS. Der 48-Jährige wird dort als Bordingenieur arbeiten, 25 Experimente betreuen und zu einem Außeneinsatz in den Weltraum aussteigen. Reiter hat sich fünf Jahre lang auf den Flug mit der "Discovery" vorbereitet. Mit ihm werden erstmals seit mehr als drei Jahren nach dem tödlichen Unglück der Raumfähre "Columbia" wieder drei Astronauten auf der Weltraumstation arbeiten.

Es ist der erste Flug der "Discovery" seit knapp einem Jahr und erst der zweite seit dem tödlichen Unglück der Raumfähre "Columbia" am 1. Februar 2003. Die NASA hat den Start der "Discovery" zu ihrem Beitrag für die Feierlichkeiten am Unabhängigkeitstag der USA, dem 4. Juli, erklärt. (APA/dpa/AP)

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