FIFA suspendiert griechischen Verband

12. Juli 2006, 18:02
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Europameister auf den Spuren Kambodschas und Kenias - Team und Klubs von allen inter­nationalen Bewerben ausgeschlossen

Berlin - Der Fußball-Weltverband FIFA hat am Montag den griechischen Verband HFF wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten suspendiert. Damit kann der vom deutschen Trainer Otto Rehhagel trainierte Europameister nach derzeitigem Stand nicht an der im September beginnenden Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz teilnehmen.

Hintergrund der Entscheidung des FIFA-Dringlichkeitskomitees ist das nicht eingehaltene Versprechen der griechischen Regierung, ihr Sportgesetz den FIFA-Statuten anzupassen. "Trotz wiederholter Warnungen seitens sowohl der FIFA als auch der UEFA hat die griechische Regierung ihr Versprechen, das Sportgesetz so zu ändern, dass einzig der HFF und seine untergeordneten Fußballinstanzen über Fußballbelange entscheiden können, nicht eingelöst. Der jüngst präsentierte Entwurf für ein neues Gesetz betreffend Profiligen ist ganz im Gegenteil ein neuerlicher Versuch der Regierung, sich in Fußballangelegenheiten einzumischen", hieß es in einer Presseaussendung der FIFA.

Damit sind der HFF und all seine Mitglieder, also Nationalteams, Klubs und Offizielle, bis auf weiteres von allen internationalen Aktivitäten und Wettbewerben ausgeschlossen. Europameister Griechenland ist in der Qualifikation für die EURO 2008 ab 2. September in die Gruppe C mit Türkei, Norwegen, Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Moldawien und Malta gelost worden.

Bestürzung in Griechenland

Mit Bestürzung haben die griechischem Medien auf den Ausschluss des Verbandes HFF und all seiner Vereine, Spieler und Offiziellen von allen internationalen Aktivitäten reagiert. Am Montag hat der Fußball-Weltverband FIFA diese Sanktion gegen den HFF wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten ausgesprochen.

Griechenland ist der erste europäische Vertreter, der von einer solch drastischen Maßnahme betroffen ist. Bisher waren lediglich die Verbände Kambodschas und Kenias suspendiert worden. "Wir sind international lächerlich geworden", hieß es beim Radiosender SKAI. FIFA-Präsident Joseph Blatter hat aber Gesprächsbereitschaft signalisiert und Vertreter nach München eingeladen, um über die Lage zu sprechen.

Bis auf weiteres sind jedoch der griechische Verband und all seine Vereine, Spieler und Offizielle von allen internationalen Aktivitäten wie Länderspiele oder der Ernennung von Offiziellen für internationale Aufgaben ausgeschlossen. Besorgt äußerten sich zahlreiche Funktionäre der großen griechischen Vereine Olympiakos Piräus, AEK Athen und Panathinaikos Athen. Sollten diese Klubs nicht in der Champions League und dem UEFA-Cup starten dürfen, würde dies ihren Untergang bedeuten, hieß es.

Seit Monaten schwelt in Athen ein Streit zwischen Sportminister Giorgos Orfanos und dem Präsidenten des HFF, Wassilis Gagatsis. Gagatsis gilt als Funktionär, der der oppositionellen Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) nahe steht. Der konservative Orfanos versucht nach Berichten der griechischen Sportpresse seit Monaten, durch eine Gesetzesänderung den Sozialisten Gagatsis abzusetzen.

Am Montag Abend gab es allerdings erste Zeichen der Annäherung. "Wir werden eine Lösung finden und das Gesetz so ändern, dass es keine Probleme mehr geben wird", sagte Orfanos im staatlichen Rundfunk.

Während bisher die Vorstände der jeweiligen Provinz-Verbände den HFF-Präsidenten wählten, soll dieser künftig mit den Stimmen aller Klub-Vertreter gewählt werden - das wären mehr als 3.000 Stimmberechtigte. Damit hofft Orfanos, HFF-Präsident Gagatsis "loszuwerden", wie die griechische Presse berichtete. Gagatsis hat für Dienstag eine Pressekonferenz in Athen anberaumt.

Orfanos "spielt mit dem Feuer, teilte der HFF am Montag mit. "Er führt Griechenland in die internationale Isolation." Im September 2005 war der HFF vom FIFA-Exekutivkomitee angewiesen worden, bei der griechischen Regierung bis zum 15. Juli dieses Jahres die Änderung der nationalen Sportgesetzgebung zu erwirken. Dieses Versprechen habe die Regierung trotz wiederholter Warnungen der FIFA nicht eingelöst. (APA/dpa)

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    Unangenehme Situation für den aktuellen Europameister.

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