Polen hat ein schlechtes Image bei potenziellen Investoren

18. Juli 2006, 15:47
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Umfrage: Korruptions-Niveau wird von westlichen Firmen oft überschätzt

Warschau - Polen hat nach wie vor ein schlechtes Image bei ausländischen Investoren. Dies ergaben weltweite Umfragen unter Unternehmen, die in den vergangenen Tagen von den Beraterfirmen Ernst & Young und KPMG veröffentlicht wurden.

Ernst & Young, das fast 600 Firmen befragte, fand heraus, dass 83 Prozent der ausländischen Unternehmen das Risiko des Geschäftsbetrugs in Mittel-Osteuropa am größten überhaupt einschätzen. Das Image Polens habe daran einen wesentlichen Anteil, erklärte Mariusz Witalis von der polnischen Ernst & Young-Vertretung gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza". "Die Investoren glauben, dass man in Polen auf Schritt und Tritt mit Korruption und Betrug konfrontiert wird", so Witalis.

Jedes fünfte der befragten Unternehmen erklärte, dass es aus diesem Grund auf eine Investition in Polen verzichtet habe. Mit der Wirklichkeit haben diese Befürchtungen nach Ansicht des Berichts von Ernst & Young jedoch nichts zu tun. Demnach zeigten Untersuchungen, dass in Westeuropa und den USA 75 Prozent der befragten Firmen in den vergangenen zwei Jahren auf Schmiergeldforderungen oder Betrug gestoßen seien. In Polen erklären dies nur 32 Prozent der Unternehmen.

Wenig Wissen

Auch die Untersuchung von KPMG zeigt, dass viele ausländische Unternehmen wenig über Polen wissen. Deshalb gehe Polen jeder sechste mögliche Investor verloren, heißt es in der KPMG-Studie. 40 Prozent der befragten Firmen hätten keinerlei Assoziationen mit Polen, so die Untersuchung. Nur 12 Prozent erwähnen, dass es in Polen qualifizierte Arbeitskräfte gebe.

Adam Zolnowski, der Vorsitzender der polnischen Agentur für Auslandsinvestitionen, macht dafür eine verfehlte PR-Strategie verantwortlich. "Es fehlt an Visionen und gebündelten Initiativen", kritisierte Zolnowski vergangene Woche vor Journalisten auch seine eigene Behörde. Als Beispiel nannte Zolnowski die Anzeigen im Wert von 1,5 Mio. Zloty (370.000 Euro), die im vergangenen Jahr unter anderem bei CNN, BBC und "Financial Times" geschaltet wurden. "Wir müssen die Entscheidungsträger direkt ansprechen", so Zolnowski.

Das Image ist allerdings nur der drittwichtigste Grund für Unternehmen, nicht in Polen zu investieren. Der Untersuchung von KPMG zufolge steht an erster Stelle, dass Polen mit seinen 38 Mio. Einwohnern ein zu kleiner bzw. zu wenig kaufkräftiger Markt sei. (APA)

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