Mehr Ältere, geringere Arbeitsleistung

27. Juli 2006, 14:21
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Studie: In zwanzig Jahren könnte in Deutschland um acht Prozent weniger gearbeitet werden - Grund ist der demografische Wandel

Rostock - Auf Grund des demographischen Wandels könnte in Deutschland in 20 Jahren deutlich weniger gearbeitet werden als heute. Falls dann Ältere in einem solch geringem Maß wie heute am Arbeitsleben teilnähmen, sänke die Arbeitsleistung bis 2026 um acht Prozent, ergab eine Studie des "Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels", die auch im Wissenschaftsmagazin "Science" (30. Juni) veröffentlicht wurde. Die geburtenstarken Jahrgänge des Babybooms der sechziger Jahre stellten dann die älteren Arbeitnehmer.

Mehr Nicht-Erwerbspersonen

Zwar könnte ein Anstieg der Produktivität diesen Verlust an Arbeitskraft auffangen und den derzeitigen Lebensstandard sichern, schreiben die Verfasser der Studie, James Vaupel, Direktor am Rostocker Max- Planck-Institut für demographische Forschung (MPIDF), und seine Mitarbeiterin Elke Loichinger. Doch wäre die Arbeit noch ungleicher verteilt als heute: Mehr Menschen würden gar nicht am Erwerbsleben teilnehmen. Um zu verhindern, dass sich das Verhältnis von Arbeitenden zu Nicht-Arbeitenden weiter verschlechtert, müsse die Arbeit über den Lebenslauf gleichmäßiger verteilt und flexibler gestaltet werden.

Umverteilung von Arbeit

"Zukünftige Generationen mögen sich darüber wundern, wie wir heute das Lernen in der ersten Lebensphase, das Arbeiten in der Mitte des Lebens und die Freizeit in den späteren Jahren konzentrieren, wenn die Kinder uns nicht mehr brauchen", sagte Vaupel. "Das 20. Jahrhundert war eines der Umverteilung von Vermögen, in dem angebrochenen Jahrhundert wird es um die Umverteilung von Arbeit gehen".

Denkbar seien unter anderem Teilzeitregelungen für Arbeitnehmer über 50 Jahre, deren Beschäftigungsgrad heute im Vergleich zu Jüngeren deutlich abfalle. Die längere Lebenserwartung bei immer länger anhaltender Gesundheit lasse auch zu, ältere Menschen zu einem gewissen Grad ins Arbeitsleben zu integrieren.

Eine gleichmäßige und flexible Verteilung der Lebensarbeitszeit könne auch Entlastungen für die 35- bis 50-Jährigen schaffen, die sich so stärker um die Familie kümmern könnten. Wenn Arbeit gleichmäßiger über den Lebenslauf verteilt würde, wären die Lebensbereiche Bildung, Arbeit, Freizeit, Familie und soziales Engagement besser vereinbar - je nach Anforderungen der Lebensphase, heißt es in der Studie weiter. (APA/dpa)

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