Ekstein-Nachlass geht an die Uni Wien

11. Juli 2006, 15:30
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Psychoanalytiker hatte zu Lebzeiten tausende Fachbücher, Zeitschriften und persönliche Aufzeichnungen gesammelt

Wien - Der Nachlass des aus Wien stammenden Psychoanalytikers Rudolf Ekstein (1912-2005) ist in den Besitz der Universität Wien übergegangen. An die 5.000 Fachbücher, etwa 860 Zeitschriftenbände, 100 Kartons mit Briefen, Notizen, Videobändern und Aufsätzen des Tiefenpsychologen sind nun in der Bibliothek des Instituts für Bildungswissenschaft zu finden.

Werdegang

Rudolf Ekstein, 1912 als Kind jüdischer Eltern in Wien geboren, studierte Psychologie, Philosophie und Geschichte an der Universität Wien. Schon hier spezialisierte er sich auf die psychoanalytische Pädagogik und lernte bei Moritz Schlick, Max Adler und Charlotte Bühler. 1938 musste er über England in die USA emigrieren, wo er zuerst als Sozialarbeiter tätig war und danach als Therapeut, Lehranalytiker und Supervisor. Seine Forschungen konzentrierten sich auf Kinderpsychose und Autismus.

Ekstein ist einer der wenigen vertriebenen Wissenschafter, der sich mit seiner alten Heimat aussöhnte. Von 1970 bis 1996 kam er regelmäßig im Frühjahr nach Wien und war als Supervisor und Gastprofessor an der Uni Wien tätig. 1995 erhielt Ekstein das Ehrendoktorat der Universität Wien. Er starb im Vorjahr in Los Angeles (USA).

Einfluss bis heute

"Ekstein war ein Brückenbauer zwischen den verschiedenen Kulturen und den wissenschaftlichen Forschungstraditionen in Österreich und der USA", so Wilfried Datler, Leiter der Psychoanalytischen Pädagogik am Institut für Bildungswissenschaft. Eksteins Einfluss ist noch bis heute spürbar: Er führte an der Medizin die Supervision ein, seine Theorien über die emotionalen Faktoren des Lernens prägten das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden, und Wien werde international als Zentrum für psychoanalytische Pädagogik angesehen, hieß es beim Pressegespräch.

Mit der Übergabe des Nachlasses an die Universität Wien sei auch ein Zeichen gesetzt, sich mit den während des Zweiten Weltkriegs aus Österreich vertriebenen Wissenschaftern wieder verstärkt auseinander zu setzen, so Johann Jurenitsch, Vizerektor der Universität Wien.

Ein Teil der Asche des verstorbenen Psychoanalytikers wird am Dienstag am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Am Donnerstag (6. Juli) wird außerdem die "Rudolf Ekstein Sammlung" an der Uni Wien eröffnet und das Symposium "From Learning for Love to Love of Learning" zu Ehren des Wissenschafters abgehalten. (APA)

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