Anti-Stalking-Gesetz: "Schutzverfügungen" rasch bearbeiten

10. Juli 2006, 12:47
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Interventionsstelle gegen Gewalt möchte Gesetz an der Praxis prüfen - Ressourcen-Mangel bei Betreuung von Gewaltopfern

Wien - "Jetzt geht es darum zu beobachten, wie das neue Gesetz in der Praxis anwendbar sein wird". Mit diesen Worten kommentiert Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser das neue Anti-Stalking-Gesetz, das am 1. Juli in Österreich in Kraft getreten ist. Das Gesetz sei grundsätzlich ein positiver Schritt zur Verbesserung der Situation von Stalking-Opfern, die bislang keine rechtliche Handhabe hatten, um sich vor beharrlicher Verfolgung und Psychoterror zu schützen. Die Anwendung könnte in der Praxis aber möglicherweise nicht ganz einfach sein, sie empfehle deshalb allen Opfern, sich bei einer Beratungsstelle Unterstützung zu holen. "Besonders wenn ein Antrag auf eine einstweilige Schutzverfügung gegen den Stalker bei Gericht gestellt wird, ist es wichtig, sich bei einer Beratungsstelle zu informieren, wie hier am besten vorzugehen ist", empfiehlt Rösslhumer. Einen Appell richtet sie an die zuständigen Richterinnen und Richter: "Es ist sehr wichtig, die Anträge auf eine einstweilige Schutzverfügung rasch zu bearbeiten, damit die Opfer nicht zu lange warten müssen, bis sie sich geschützt fühlen können."

Erhöhung der Geldmittel nötig

Viele Opfer wüssten bislang noch nicht, dass ab sofort die Interventionsstellen gegen Gewalt in der Familie für die Betreuung von Stalking-Opfern zuständig seien: Diese müssen bei jeder Anzeige, die bei der Polizei gemacht wird, Kontakt mit dem Opfer aufnehmen und Beratung anbieten. Ein Angebot, das für die Unterstützung der Opfer sehr zu begrüßen sei, so Rösslhumer, allerdings stelle sich die Frage nach den Ressourcen: "Die Wiener Interventionsstelle ist schon jetzt nicht in der Lage alle Wiener Gemeindebezirke abzudecken, wie sollen bei dieser Personalknappheit noch zusätzlich Stalking-Opfer betreut werden?", fragt sie sich. Eine Erhöhung der Geldmittel sei deshalb dringend notwendig. (red)

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