Target 2 startet im November 2007

27. Juli 2006, 15:25
posten

Mit dem im Entstehen befindlichen neuen Zahlungsverkehrssystem soll der Zahlungsverkehr für Großbeträge innerhalb Europas schneller, effizienter und sicherer werden

Wien - Mit dem im Entstehen befindlichen neuen Zahlungsverkehrssystem Target 2 planen die Notenbanken der Euroländer den Zahlungsverkehr für Großbeträge innerhalb Europas noch schneller, effizienter und sicherer abzuwickeln. Über Target 2 sollen ab dem Start am 19. November 2007 jährlich etwa 80 Millionen Großbetrags-Transaktionen durchgeführt werden.

"Das neue System stellt einen wesentlichen Schritt in Richtung Harmonisierung des europäischen Finanzmarktes dar", sagte Claudia Macheiner, Zahlungsverkehrsexpertin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), am Montag im APA-Gespräch. Bei Target 2 handle es sich um eine einheitliche Plattform, an dem sich alle Länder anschließen könnten. Das sei speziell unter dem Aspekt der EU-Erweiterung wichtig, wo nunmehr zehn neue Länder als Kandidaten des Eurosystems bevorstünden.

Sicherheit ganz oben

An vorderster Frond des neuen Systems stünde die Sicherheit, was gerade in Zeiten der Internet-Kriminalität von besonderer Bedeutung sei, betonte Macheiner. So würde etwa alle drei Monate das Rechenzentrum gewechselt werden.

Derzeit noch bestehende Hürden werden abgebaut, den teilnehmenden Banken wird es ermöglicht, ihre Euro-Zahlungen in standardisierter Form in ganz Europa durchzuführen. Es wird gleiche Standards, gleiche Nachrichtenformate, den gleichen Nachrichtenfluss und die gleichen Abwicklungsprozesse, Teilnahmebedingungen und Preiskonfigurationen geben. Für Österreich sei die Teilnahme wichtig, um international wettbewerbfähig zu blieben, meinte Macheiner.

Target 2 löst das seit 1999 bestehende europäische Zahlungsverkehrssystem Target (Transeuropean Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) ab, so die OeNB in einer Pressemitteilung. Gegenwärtig verbindet Target 1 in Europa 16 nationale Echtzeit-Bruttozahlungssysteme und jenes der Europäischen Zentralbank (EZB). Es ist Europas wichtigstes Großbetragszahlungssystem mit rund 10.400 direkten Teilnehmern. Über Target 1 werden täglich rund 300.000 Zahlungen abgewickelt. Dadurch ist es möglich, dass von diesen etwa 98 Prozent europaweit innerhalb von fünf Minuten ausgeführt werden.

Verbessertes Liquiditätsmanagement

Für Kreditinstitute bedeute Target 2 unter anderem ein verbessertes Liquiditätsmanagement durch neue Funktionalitäten, die einheitliche Anbindung von Nebensystemen (z.B. Wertpapiersystemen) und die gleiche Preisstruktur für nationale und grenzüberschreitende Zahlungen.

Der Startschuss zur Entwicklung von Target 2 fiel Ende 2004 im EZB-Rat, Entwickler sind die Notenbanken Deutschlands, Frankreichs und Italiens. Alle Zentralbanken des Eurosystems, sowie einige jener Länder, die den Euro noch nicht eingeführt haben, werden die Target 2-Gemeinschaftsplattform nutzen. Die OeNB ist seit Beginn des Projektes in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, insbesondere den zukünftigen Betreiber-Notenbanken, an der Entwicklung beteiligt. (APA)

Share if you care.