Mindestens acht Tote bei Anschlägen

29. Juli 2006, 18:50
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Soldat starb bei Minenexplosion - 14 Menschen verletzt

Colombo - Bei mehreren Anschlägen in den Rebellengebieten Sri Lankas sind am Montag mindestens acht Menschen getötet worden. Die Regierung machte umgehend die tamilischen Rebellen für die Taten verantwortlich. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit mehr als 20 Jahren für einen unabhängigen Staat im Nordosten Sri Lankas. In den vergangenen Monaten hat die Gewalt wieder massiv zugenommen und droht, den südasiatischen Inselstaat wider in den Bürgerkrieg abgleiten zu lassen.

Sprengsatz in Fahrzeug verborgen

Bei einem Anschlag an einer Kreuzung in der nordöstlichen Hafenstadt Trincomalee starben nach Armeeangaben sechs Sicherheitskräfte und ein Zivilist. Der Sprengsatz sei in einem Fahrzeug verborgen gewesen, das die Soldaten durchsucht hätten. Er sei per Fernbedienung gezündet worden. 14 Menschen wurden verletzt. Aus Armeekreisen verlautete, dass ein weiterer Soldat auf der nördlichen Halbinsel Jaffna bei der Explosion einer Mine ums Leben gekommen sei. Zuvor waren bei einem Attentat im Osten des Landes zwei Spezialeinsatzkräfte der Polizei verletzt worden. Allein in diesem Jahr starben mehr als 700 Menschen bei Gewalttaten auf der Urlaubsinsel Sri Lanka. Die Anschläge ereignen sich indes alle in oder nahe der von Rebellen kontrollierten Gebiete im Norden und Osten des Landes, während die Touristengegenden im Süden und Westen liegen.

Die srilankesische Regierung bemühte sich unterdessen um stärkere Vermittlungsbemühungen Indiens. Vor Gesprächen mit einem Staatssekretär des indischen Außenministeriums sagte ein hochrangiger srilankesischer Regierungsvertreter: "Es gibt einen gewissen Gesprächsbedarf über Indiens genauen Standpunkt. Ich denke, Indien könnte sich weitaus stärker am Friedensprozess beteiligen." Das indische Außenministerium sprach von einem Routinebesuch. Geplant waren Gespräche mit Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse.

Der größte Teil des tamilischen Volkes lebt in Südindien und damit in nächster Nähe zum srilankesischen Tamilen-Gebiet im Nordosten der Insel, der bis 1990 von Indien besetzt war. Die Regierung in Neu-Delhi bildete ursprünglich LTTE-Mitglieder aus, unterstützte später allerdings ein Abkommen in Sri Lanka mit Friedenssoldaten. Seit ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter der LTTE 1991 den indischen Ex-Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi getötet hat, hat sich Indien nicht mehr direkt in dem Konflikt engagiert.

Die Rebellen lehnen derzeit aber eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ab. Dies sei erst möglich, wenn die Regierung keine Tamilen mehr töte, argumentieren sie. Am Montag sondierte der Abgeordnete der IRA-nahen Sinn Fein, Martin McGuiness, bei der LTTE-Führung die Kompromissbereitschaft. Er wolle den Tamilen von dem erfolgreichen Friedensprozess in Nordirland berichten, sagte er laut Rebellen-Website Tamilnet. Zu diesem Zweck treffe er auch LTTE-Anführer S.P. Thamilselvan. Die IRA hatte vor einem Jahr ihren jahrzehntelangen bewaffneten Kampf gegen die britische Herrschaft in Nordirland für beendet erklärt. (APA/Reuters)

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