Religionsbehörde will Zwangsehen unterbinden

31. Juli 2006, 12:30
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Arbeitsgruppe bereist Osten und Südosten des Landes

Istanbul - Das staatliche Religionsamt der Türkei will laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" gegen Zwangsehen vorgehen. Zwangsehen würden in einem Erlass als Sünde und als unislamisch gebrandmarkt, berichtete das Blatt am Montag. Der staatlichen Religionsbehörde, einer Direktion im Amt des Ministerpräsidenten, unterstehen alle Moscheen und islamischen Geistlichen des Landes. Eine Arbeitsgruppe sei in den Osten und Südosten des Landes entsandt worden, wo Zwangsehen besonders weit verbreitet sind. Der stellvertretende Leiter der Behörde, Mehmet Görmez, sagte der Zeitung, eine Heirat setze nach islamischem Verständnis die Zustimmung beider Eheleute voraus.

In der Türkei ist das staatliche Religionsamt für die Anstellung der Imame, den Betrieb der mehr als 70.000 Moscheen und auch für den Inhalt von Predigten verantwortlich. Erst vor Kurzem hatte das Religionsamt erklärt, es wolle die so genannten Hadith-Sammlungen, den Kanon islamischer Überlieferungen, Anweisungen und Verbote, nach frauenfeindlichen Passagen durchforsten, die nach Meinung der Behörde nicht auf den Propheten Mohammed zurückgehen. Im Vorjahr wurden erstmals weibliche Vize-Muftis ernannt. (APA)

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