Österreich viertreichstes Land in der EU

28. Juli 2006, 10:09
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Bundesregierung lobt im Wirtschaftsbericht 2006 "sichtbare Erfolge" ihrer Wirtschaftspolitik - Österreich weise eine um 23 Prozent über dem EU-Schnitt liegende Kaufkraft auf

Wien - Die Bundesregierung verweist im Wirtschaftsbericht 2006 auf "sichtbare Erfolge" ihrer Wirtschaftspolitik. Demnach würde die heimische Wirtschaft laut jüngster Mittelfristprognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) bis 2010 jährlich um durchschnittlich 2,1 Prozent - und damit stärker als der Euroraum - wachsen.

Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik zeige sich auch im innereuropäischen Vergleich der Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftstandards. Österreich weise eine um 23 Prozent über dem EU-Schnitt liegende Kaufkraft auf und liege damit ex aequo mit den Niederlanden und knapp hinter Dänemark auf dem hervorragenden vierten Platz. An der Spitze liegt mit Abstand Luxemburg, gefolgt von Irland. In einer Bewertung auf Basis der Strukturindikatoren durch das Londoner Zentrum für Europäische Reform (CER) liege Österreich hinter Dänemark und Schweden auf dem erfreulichen dritten Platz. Weiters habe sich Österreich im jährlichen World Competitiveness Yearbook, das die Attraktivität der Wirtschaftsstandorte bewerte - im Vergleich zum Vorjahr um vier Ränge auf den 13. Platz verbessern können. Nur asiatische Länder hätten sich noch stärker steigern können, heißt es im Bericht.

Wirtschaftspolitische Maßnahmen

An wirtschaftspolitischen Maßnahmen habe die Bundesregierung auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes und Entlastung der Unternehmen, die Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten sowie der allgemeinen Situation auf dem Arbeitsmarkt, die Förderung von Wissen und Innovation und die Förderung einer effizienten und nachhaltigen Energiepolitik gesetzt.

Gemeinsam mit der Steuerreform 2004/05 hätten Maßnahmen zur Entlastung und Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer jährlichen Entlastung für KMU von mehr als 1,3 Mrd. Euro geführt. Auch seien Schritte im Hinblick auf eine bessere Rechtssetzung, wie etwa eine Verfahrensbeschleunigung gesetzt worden. Ein jüngst gestartetes Projekt ziele bis 2010 auf eine Reduktion der Verwaltungskosten um 25 Prozent ab, die aus gesetzlichen Informationspflichten für Unternehmen resultierten.

Forschung und Entwicklung

Hinsichtlich Forschung, Entwicklung und Innovation bekenne sich die Bundesregierung zum europäischen "3-Prozent-Ziel", also der Anhebung der F&E-Ausgaben bis 2010 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und setze dafür verstärkt Initiativen im Bereich der direkten und indirekten Forschungsförderung sowie zur Schaffung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen für Unternehmen und die Gewährleistung eines attraktiven Umfeldes an Humanressourcen. 2006 sei die F&E-Quote auf 2,43 Prozent gestiegen (Regierungsziel waren 2,5 Prozent). Die Ausgaben des Bundes hätten um 10,8 Prozent zugenommen.

Laut Tabellenteil des Wirtschaftsberichtes sind für heuer 1,64 Mrd. Euro forschungswirksamer Ausgaben des Bund vorgesehen. 2005 waren es 1,534 Mrd. Euro. Die Ausgaben für Wirtschaftsförderung sollen 2006 auf 3,257 nach 3,102 Mrd. Euro steigen. Die budgetierten Ausgaben für den Umweltschutz wurden für 2006 auf 1,29 nach 1,268 Mrd. Euro erhöht.

2005 brachte Globalisierungsschub

2005 habe Österreich einen "Globalisierungsschub" verzeichnen können, heißt es im Wirtschaftsbericht der Bundesregierung weiter. Mit 7,5 Mrd. Euro erreichten die Direktinvestitionen im Ausland eine neue Rekordmarke, mit 46 Prozent war Zentral- und Osteuropa die bedeutendsten Zielregion. Aber auch die Direktinvestitionen des Auslands in Österreich erreichten mit netto 7,2 Mrd. Euro ein sehr hohes Niveau.

Ein Rekordwert von 100 Mio. Euro ist 2005 aus Österreich in das Boomland China geflossen. Im Vorjahr haben 370 inländische Investoren rund 500 Investitionsprojekte von jeweils mindestens 1 Mio. Euro in 106 Ländern umgesetzt. Für Österreich bedeute Internationalisierung und Globalisierung vor allem "Europäisierung", Österreich habe wie kein anderes Land von der Erweiterung der EU um zehn Länder profitiert.

Mit seinen "hard" und "soft" facts zähle Österreich zu den beliebtesten Investitionsstandorten Mitteleuropas, global agierende Unternehmen würden Wien als Brücke zwischen West und Ost sehen. Die für Betriebsansiedelungen zuständige Austrian Business Agency (ABA) habe im Mai 2006 den Rekordwert von 513 Projekte betreut.

Florierender Außenhandel

Einen entscheidenden Wachstumsbeitrag lieferte der florierende Außenhandel. Österreich habe seine Position unter den führenden Exportländern seit 1995 vom 21. auf den 18. Rang weltweit und vom 9. auf den 8. Rang in der EU verbessert. Die Warenexportquote erreichte 2005 mit 38,4 Prozent des BIP bzw. 94 Mrd. Euro einen Höchstwert.

Österreich habe in den letzten Jahren seine Staatsschulden- sowie Steuern- und Abgabenquote deutlich reduzieren können, heißt es im Wirtschaftsbericht 2006 der Bundesregierung weiter. Während eine Reihe von EU-Ländern den Defizit-Grenzwert von 3 Prozent des BIP überschreiten, habe Österreich mit einem Haushaltsdefizit von 1,5 Prozent im Jahr 2005 einen komfortablen Spielraum zu diesem Schwellenwert. Laut Bericht wird die Schuldenquote 2006 auf 62,3 Prozent des BIP nach 62,9 Prozent im Vorjahr zurückgehen. Die Steuer- und Abgabenquote wird auf 40,6 nach 42 Prozent sinken.

Seit dem Anlaufen der Breitbandinitiative (steuerliche Förderung sowie zweimalig 10 Mio. Euro zusätzliche öffentliche Gelder) habe sich der Verfügbarkeitsgrad deutlich auf 95 Prozent verbessert. Bis spätestens 2007 soll eine vollständige, flächendeckende Versorgung mit Breitbank erreicht sein, heißt es im Bericht weiter. In das Verkehrsinfrastruturnetz investiere Österreich im Zeitraum 2000 bis 2014 in den Breichen Schiene und Straße rund 40,5 Mrd. Euro. (APA)

  • Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik zeige sich auch im innereuropäischen Vergleich der Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftstandards.

    Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik zeige sich auch im innereuropäischen Vergleich der Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftstandards.

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