Lehrling sexuell belästigt - Kündigung

3. Juli 2006, 11:21
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Gleichbehandlungsstelle der AK klagte - Mädchen erhielt freiwillige Abfertigung

Linz - Ein Fall aus der Gleichbehandlungsberatung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass es immer noch ArbeitgeberInnen gibt, die den bequemeren Weg wählen und das Opfer statt des Täters bestrafen: Ein weiblicher Einzelhandels-Lehrling wurde von einem unmittelbar vorgesetzten Kollegen sexuell belästigt. Das Mädchen informierte den Lehrberechtigten über die Vorfälle und forderte ihn auf, dafür Sorge zu tragen, dass derartige Übergriffe nicht mehr vorkommen.

Telefonische Kündigung

Als Reaktion darauf teilte ihr der Lehrberechtigte telefonisch mit, dass er das Lehrverhältnis auflöse. Was grundsätzlich ohne Angabe von Gründen möglich ist, wenn sich der Lehrling - wie in diesem Fall - noch in der Probezeit befindet.

Allerdings kann laut OGH-Entscheidung auch eine Auflösung in der Probezeit angefochten werden, wenn diese aufgrund der Geltendmachung von Ansprüchen nach dem Gleichbehandlungsgesetz erfolgt ist.

Klage der AK

Auf Wunsch des Lehrlings brachte die Arbeiterkammer deshalb eine Klage auf Feststellung eines aufrechten Lehrverhältnisses ein. Trotz guter Erfolgsaussichten stimmte das Mädchen letztlich aber doch einer einvernehmlichen Auflösung des Lehrverhältnisses zu und bekam 3750 Euro freiwillige Abfertigung.

Die Auflösung des Lehrverhältnisses per Telefon wäre übrigens jedenfalls unzulässig gewesen - die Auflösung muss schriftlich erfolgen. (red)

Unter der Telefonnummer 050/6906-2142 können zum Ortstarif Termine für die AK-Gleichbehandlungs- beratung vereinbart werden. Es gibt auch eine aktuelle Broschüre zum Thema.
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