Türkische Zyprioten rechnen mit neuer UNO-Verhandlungsinitiative

10. Juli 2006, 16:52
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Stellvertretender UNO-Generalsekretär Ibrahim Gambari besucht die geteilte Insel

Nikosia - Im Zypern-Konflikt erwartet sich die türkische Seite von den Vereinten Nationen Impulse für neue Volksgruppenverhandlungen über die Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel. Vor der Ankunft des stellvertretenden UNO-Generalsekretärs Ibrahim Gambari erklärte der türkisch-zypriotische Führer Mehmet Ali Talat laut einem Bericht der Zeitung "Cyprus Mail" vom Dienstag, die Gespräche könnten schwierig werden, solange die griechische Seite Vorbedingungen stelle und Vermittlungsangebote von außen ablehne. Gambari, der am Montag in Ankara Gespräche mit der türkischen Regierung führte und anschließend nach Griechenland reiste, wird am Donnerstag in Nikosia erwartet.

Am gestrigen Montag war Talat mit dem Präsidenten Zyperns, Tassos Papadopoulos, dem Führer der griechischen Zyprioten, zusammengetroffen. Die Begegnung hatte in der UNO-kontrollierten Pufferzone an der Demarkationslinie stattgefunden. Im Mittelpunkt der Gespräche standen humanitäre Fragen, in erster Linie das Schicksal der Vermissten seit der türkischen Militärinvasion von 1974. Papadopoulos und Talat schlossen eine erneute Begegnung in nächster Zukunft nicht aus.

Die in dem von türkischen Truppen besetzten Nordteil der Insel errichtete Separatadministration "Türkische Republik Nordzypern" wird international nicht anerkannt. Völkerrechtlich ist ganz Zypern seit Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union, doch findet das Regelwerk der EU im Norden keine Anwendung. Papadopoulos hatte betont, dass sich die türkischen Zyprioten nicht als "separater Staat innerhalb eines Staates" präsentieren könnten.

Der Wiedervereinigungsplan von UNO-Generalsekretär Kofi Annan war 2004 von den griechischen Zyprioten in einem Referendum massiv verworfen worden, weil er der überwiegenden Mehrheit der nach der türkischen Invasion 1974 vertriebenen 200.000 griechischen Zyprioten und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre Heimatorte verwehrte, zugleich aber vorsah, dass ein großer Teil der von der Türkei angesiedelten 110.000 Festlandtürken und der 40.000 Mann starken türkischen Truppen auf der Insel bleiben kann. (APA/Reuters)

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