Kosovo-Verhandlungen gehen in nächste Runde

6. Juli 2006, 15:13
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Kosovo-Serben legen neuen Vorschlag zu Dezentralisierung vor

Belgrad - Der stellvertretende UNO-Chefverhandler bei den Gesprächen über den künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo, Albert Rohan, wird am Mittwoch in Pristina und zwei Tage später in Belgrad erwartet. Er will in der Region die kommenden Wiener Verhandlungsrunden über den Schutz von Kulturgut sowie über Dezentralisierung vorbereiten. Der serbische Sender B-92 meldete indes unter Berufung auf den Berater von Regierungschef Vojislav Kostunica, Slobodan Samardzic, dass Belgrad die Verschiebung der für 11. Juli geplanten Runde zur Sicherung des Kulturguts beantragen wolle.

Errichtung von zwölf Schutzzonen um Klöster und Kirchen vorgesehen

Als Grund wurde die Reise des serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica in die USA am 10. Juli genannt, berichtete B-92 weiter. Samardzic sowie Leon Kojen, Berater von Präsident Boris Tadic, führten die serbische Delegation bei den bisherigen Direktgesprächen in Wien an. Beide sollen Kostunica nach Washington begleiten.

Die Tageszeitung "Blic" berichtete am Montag, dass Experten von Europarat und UNESCO einen Vorschlag zum Schutz des serbisch-orthodoxen Kulturguts im Kosovo ausgearbeitet haben. Der Plan sei Pristina und Belgrad übermittelt worden. Vorgesehen ist demnach die Errichtung von zwölf Schutzzonen um die serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöster.

Dezentralisierung

Vertreter der Kosovo-Serben stellten den UNO-Verhandlern wiederum einen neue Vorschlag in punkto Dezentralisierung zu. Im Unterschied zum Vorschlag Belgrads, der die Bildung von 16 neuen serbischen Kommunen im Kosovo vorsieht, ist in diesem neuen Papier von acht neuen Kommunen die Rede. Das Papier wurde von einer Expertengruppe um den Chef der Partei "Serbische Liste für den Kosovo und Metohija", Oliver Ivanovic, ausgearbeitet.

Die Kosovo-Verhandlungen zwischen Pristina und Belgrad im Rahmen der UNO laufen seit Ende des Vorjahres. In Wien wurden bisher mehrere Gesprächsrunden zu Fragen der Dezentralisierung, des Schutzes von Kulturgut und der Wirtschaft abgehalten. Die Frage des künftigen völkerrechtlichen Status der seit 1999 von den Vereinten Nationen verwalteten südserbischen Provinz dürfte aber erst bei dem Treffen auf höchster Ebene - möglicherweise Ende Juli - angeschnitten werden. Bisher beharrten die kosovo-albanischen Führer auf der Unabhängigkeit von Belgrad. Serbien will höchstens eine weit gehende Autonomie gewähren. (APA)

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