Der "Erfinder" der Kaffeedose

3. Juli 2006, 19:01
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Wiener "Wagner:Werk Museum" zeigt Kunst und Design von Wolfgang Tümpel

Wer sich immer schon eine Halskette mit dem eigenartigen Namen "Tüddelkette" um den Hals legen wollte, der kommt zu spät. Das besagte Stück, in den 1940ern entworfen und gemacht vom Bielefelder Goldschmied und Bauhauskünstler Wolfgang Tümpel, befindet sich nämlich in Privatbesitz. Zur Zeit jedoch kann man auf den fragilen Halsschmuck, der abwechselnd aus Silberkugeln und gewickeltem Silberdraht zusammengesetzt ist, in der großen Kassenhalle in der Postsparkasse am Georg-Coch-Platz einen Blick werfen. Das "Wagner:Werk Museum" zeigt bis 2. September einige Werke des Künstlers. Das Museum hat ab sofort auch am Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Doch nicht nur mit Schmuck ist der Industrial Designer Tümpel (1903–1978) bekannt geworden. Von der Hausfrau bis zum Designstudenten kennt wohl jeder seinen berühmtesten Gebrauchsgegenstand: die Kaffeedose aus Kunststoff, welche Tümpel für den Kaffeehändler Tchibo entwarf.

Tümpel hat in den Jahren seines Schaffens sowohl die Fertigung von Unikaten wie Schmuck und auch Gebrauchsgegenstände für Kirchen, als auch die Massenproduktion im Bauhaus-Stil, von beispielsweise Lampen, unter einen Hut gebracht. Sein Stil sei „modern, aber nicht modisch“ gewesen, sagt Kuratorin Hildegard Wiewelhove. "Tümpel hat sich immer wieder neu erfunden," erklärt sie seine Arbeitsweise. Er habe sich nie von Dogmen bestimmen lassen und habe immer auf die Anforderungen der Zeit reagiert.

Bauhauskünstler

Nach einer Goldschmiedlehre ging Wolfgang Tümpel 1922 zu begleitenden Studien an das Bauhaus, das von Walter Gropius gegründet wurde, um freie und angewandte Kunst zusammenzuführen, nach Weimar und arbeitet auch in der dortigen Metallwerkstatt. Nachdem das Bauhaus geschlossen worden war, gründete Tümpel 1927 seine eigene "Werkstatt für Gefäße, Schmuck, Beleuchtung" und als mehrfach ausgezeichneter Künstler lehrte er in seinen späten Jahren, von 1951 bis 1968, an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg. Tümpel prägte den Ausdruck „Form und Funktion", denn: "Etwas Unpraktisches kann nicht schön sein," fand er. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD-Printausgabe, 04.07.2006)

Wagner:Werk Museum Postsparkasse,
Großer Kassensaal,
1., Georg-Coch-Platz 2,
Mo-Fr 8-15,
Do 8-17.30.
Bis 2. 9.
  • Wolfgang Tümpels Entwurf aus Messing (re), der als Tchibo-Dose 1962 in die Serienproduktion ging.
    foto: wagner:werk

    Wolfgang Tümpels Entwurf aus Messing (re), der als Tchibo-Dose 1962 in die Serienproduktion ging.

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