Bewegung der Jüngsten

29. Jänner 2007, 14:37
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Bewegung ist Bestandteil der kindlichen Entwicklung - Umfassende Betreuung macht gesunden Leistungssport im frühen Alter möglich

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen - das gilt auch für Verletzungen. Bei akuten Sportunfällen kommt es bei Kindern wesentlich häufiger zu Knochenbrüchen, während bei den Großen eher Bänder und Gelenksknorpel ächzen.

Auch auf Überlastung aufgrund von Trainingsfehlern reagiert der heranwachsende Körper anders: Wenn sich Verletzungen der offenen Knochenfugen, in denen weicher Knorpel sitzt, nicht auswachsen, kann es zu Fehlstellungen von Knochen und Gelenken kommen.

Gefahr im Teenageralter

Ähnlich wie bei Erwachsenen sind viele Verletzungen das Resultat von mangelndem Training, schwacher Kondition, übersteigertem Ehrgeiz. Als besonders unfallgefährdet gelten Burschen im Teenageralter. Die "jungen Wilden" gehen bei wettkampfbetonten Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Basketball aufs Ganze, obwohl ihnen motorische Fertigkeiten fehlen und Foulspiel an der Tagesordnung ist.

Weniger Bewegung

In Watte packen sollte man Kinder dennoch nicht, selbst wenn bis zu 40 Prozent aller Unfälle im Kindesalter sportbedingt sind. "Kinder bewegen sich immer weniger: Sie gehen nicht mehr zu Fuß in die Schule, haben weniger Sportunterricht und sind seltener in Sportvereinen aktiv. Dadurch ist die Muskulatur nicht mehr optimal trainiert und anfällig für Verletzungen.

Geringere Koordinationsfähigkeit

Auch die Koordinationsfähigkeit ist reduziert. So stürzen die Kinder eher und reagieren nicht rasch genug", weiß Susi Kriemler. Das Verletzungsrisiko, erläutert die Kinderärztin der Universität Basel, sei bei übergewichtigen Kinder besonders hoch.

Kindergerechte Sportarten

Welche Bewegungsformen empfiehlt die Expertin für Sportphysiologie? "Nicht gerade Tiefseetauchen, aber sonst alles, was Spaß macht. So hat man die Chance, dass die Kinder und Jugendlichen auch als Erwachsene beim Sport bleiben." Selbst Leistungssport, so Kriemler, führe nicht zwangsläufig zu Schäden.

Check-ups beim Leistungssport

Dafür sind aber regelmäßige Check-ups durch erfahrene Sportmediziner nötig, die die Belastungsgrenzen und sensiblen Wachstumsphasen des sich entwickelnden Systems genau kennt. Weiters gilt, dass selbst reduzierte Erwachsenen-Trainingsprogramme für Kinder völlig ungeeignet sind.

Gute Ausrüstung schützt

Auch die Ausrüstung ist wichtig: Schlecht sitzende Schuhe führen zur "Eisläuferferse", Training mit zu schweren Fußbällen zu Muskelverkürzungen, unhandliche Schläger zum "Tennisellbogen", ein zu niedrig eingestellter Fahrradsattel zu Rückenschmerzen.

Natürliche Bewegungsmechanismen

"Wenn ein Haufen Kinder in einem Turnsaal tobt, passiert weniger, als wenn Erwachsene das tun", schmunzelt Peter Seisenbacher. "Die Jüngsten haben noch natürliche Mechanismen zur Gefahrenverhinderung, rollen ab und weichen aus."

Richtige Abläufe lernen

Der zweifache Olympiasieger trainiert mit Kindern und Jugendlichen im eigenen Judoklub. Richtiges Üben, von Anfang an, mache den Meister, so Seisenbacher: "Die korrekte Technik ermöglicht den Kindern erstens gute Sportler zu werden und zweitens Verletzungen zu vermeiden."

Wenn Kinder falsche Bewegungsabläufe einlernen, würden sie speziell in Stresssituationen beim Wettkampf in die alten Muster zurückfallen. "Die besten Trainer gehören zu den Jüngsten!", fordert Seisenbacher. Die Wirklichkeit der sportlichen Nachwuchsförderung sähe allerdings anders aus. "Da liegt der Hund begraben." (harl/MEDSTANDARD/03.07.2006)

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    Kinder haben natürliche Mechanismen zur Gefahrenverhinderung. Beim Sport gilt: richtig üben.

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