Waldviertel: Der Kampf gegen den Schlamm

6. Juli 2006, 10:01
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Der Hochwassereinsatz geht dem Ende zu - Die Schadenssumme wird größer sein als jene der letzten Flut

Aufatmen in Niederösterreich: Am Sonntag ist der Hochwassereinsatz der Feuerwehren und des Bundesheeres im Waldviertel am Sonntag größtenteils beendet worden.

Im Laufe des Tages waren noch rund 1000 Feuerwehrleute und 200 Soldaten in den Bezirken Waidhofen an der Thaya, Gmünd, Horn und Hollabrunn mit Aufräumarbeiten beschäftigt, beschrieb der niederösterreichische Feuerwehrkommandant Josef Buchta die Situation.

Sonntagfrüh hatte ein Dammbruch auf einer Länge von zehn Metern bei Alt Prerau (Bezirk Mistelbach) noch einmal kurz für Aufregung gesorgt. Dort wurden jedoch nur landwirtschaftliche Flächen überschwemmt. Personen oder Häuser waren nicht gefährdet. Buchta: "Das nächste Haus liegt in einem Kilometer Entfernung, es befindet sich dort nur Wald."Auch verwies er auf den sinkenden Pegel der Thaya am Sonntagvormittag. "Die Situation ist absolut unter Kontrolle."In Laa an der Thaya selbst wurden am Sonntag nur noch Dammwachen durchgeführt.

Die Reparaturarbeiten im tschechischen Grenzgebiet sollen erst in rund einer Woche gestartet werden. Vorerst sei es nicht möglich, zum Damm vorzudringen, sagte der Feuerwehrkommandant.

Hauptschwierigkeit stellten bei den Aufräumarbeiten weiterhin die enormen Massen an Schlamm dar. Auch von technischer Seite her waren die Einsatzkräfte mit Herausforderungen konfrontiert: Entwurzelte Bäume zum Beispiel mussten mit schweren Bergegeräten beseitigt werden. Unterstützt wurden die örtlichen Einsatzkräfte im Bezirk Waidhofen an der Thaya von 50 Feuerwehrleuten aus St. Pölten, die mit Fahrzeugen mit eigenen Ladekränen gekommen waren, so Alfred Sampl vom Bezirksfeuerwehrkommando.

Die Durchflussgeschwindigkeit der Thaya betrug am Sonntag um 9 Uhr 74 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: In der Nacht zum Freitag, als das Hochwasser über die Region hereinbrach, wurden 364 Kubikmeter registriert.

Buchtas erstes Resümee zum Großeinsatz: "Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel gelernt. Der neu strukturierte Katastrophenhilfsdienst hat sich absolut bewährt. Wir sind jetzt ,schlanker und effizienter."

Das Hochwasser im nördlichen Niederösterreich hat beträchtliche Schäden verursacht. Allein im gesamten Bezirk Waidhofen an der Thaya sollen an die 1500 Objekte betroffen sein. Weitere Meldungen sind aus den Bezirken Gmünd, Horn und Hollabrunn zu erwarten. Die Schadenssumme dürfte demnach größer sein als bei den Überflutungen an der March im April dieses Jahres.

Nach der ziemlich genau drei Monate zurückliegenden Flut, die ab 3. April vor allem Dürnkrut und Angern a. d. March schwer getroffen hatte, waren beim Land Niederösterreich 657 Meldungen eingelangt. 501 sind aktuell erledigt. Die vom Land anerkannten Schäden belaufen sich auf knapp 21,6 Millionen Euro. An Beihilfe sind sechs Millionen Euro ausgezahlt worden.

Seitens der Wirtschaftskammer (WKÖ) wird nun den vom Hochwasser im Waldviertel betroffenen Betrieben Soforthilfe angeboten. "Wenn erforderlich, stehen für schwerstbetroffene Unternehmen wie auch in den Jahren 2002, 2005 und 2006 bis zu 10.000 Euro an finanzieller Unterstützung bereit", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Sonntag.

Tote gab es nach heftigen Unwettern in Rumänien und der Türkei. Bei Überschwemmungen im Norden Rumäniens sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, wie die Behörden am Wochenende mitteilten. 15 Menschen wurden nach den heftigen Regenfällen vermisst. Rund 1500 Bauernhöfe waren den Angaben zufolge von den Überschwemmungen betroffen, 300 Häuser wurden schwer beschädigt. 400 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Am stärksten betroffen war die Gemeinde Arbore, wo nach einem extremen Wolkenbruch ein normalerweise kniehoher Bach auf über zwei Meter anschwoll. Binnen weniger Stunden regnete es dort knapp 100 Liter pro Quadratmeter. Erst vor zwei Wochen waren 17 Menschen bei extremen Unwettern ums Leben gekommen.

Bei Überschwemmungen im nordosttürkischen Schwarzmeergebiet, das seit Tagen von heftigen Unwettern heimgesucht wird, sind ebenfalls mindestens fünf Menschen ertrunken. Durch die Wassermassen wurden zahlreiche Straßen überflutet, vereinzelt stürzten Brücken und auch Häuser ein. (APA, dpa(DER STANDARD; Printausgabe, 3.7.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aufräumungsarbeiten in einem Wohnhaus nach dem Hochwasser in Weikertschlag

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