Porträts: Die alten und die neuen Chefs

27. Juli 2006, 19:50
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Louis Gallois und Christian Streiff folgen auf Noel Forgeard und Gustav Humbert

Paris - Der bisherige Chef der französischen Staatsbahn SNCF, Louis Gallois, soll den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aus der Krise führen. An die Spitze der Tochter Airbus rückt mit Christian Streiff wieder ein Franzose. AFP porträtiert im Folgenden die beiden neuen Manager und ihre Vorgänger Noël Forgeard und Gustav Humbert.

Louis Gallois: Mit dem 62-Jährigen rückt ein treuer französischer Staatsdiener neben dem Deutschen Thomas Enders an die Doppelspitze bei EADS. Gallois, Absolvent der Pariser Kaderschmiede ENA, tritt in den 70er Jahren zunächst in den diplomatischen Dienst ein, bevor er ab 1981 Stabschef bei dem damaligen Forschungsminister Jean-Pierre Chevènement wird. Es folgen Leitungsposten in verschiedenen Ministerien, darunter dem Industrie-, Wirtschafts- und Finanzministerium. 1989 tritt er beim EADS-Vorläufer Aérospatiale an, deren Präsident er 1992 wird. Dort erwirbt er umfassendes Wissen in Sachen Luft- und Raumfahrt. Seit 1996 lenkt er die Geschicke der französischen Staatsbahn SNCF. Gallois, erkennbar an seinem rasierten Schädel, gilt als humorvoller Mann des Ausgleichs und ist Fan der Tour de France.

Christian Streiff: Der neue französische Airbus-Chef mit deutschen Wurzeln ist 51 Jahre alt und passionierter Amateurflieger. Zudem ist er vermutlich der einzige Manager, der einen Roman über die deutsche Wiedervereinigung geschrieben hat: "Kriegspiel" heißt das vor sechs Jahren erstmals erschienene Werk und handelt vom Überlebenskampf eines ostdeutschen Glasfaserwerks. Den Mauerfall hat Streiff selbst als Leiter eines Aachener Glasfaserwerks erlebt, das zum Mischkonzerns Saint-Gobain gehört. Insgesamt 26 Jahre war er bei Saint-Gobain tätig, bevor er dort 2004 stellvertretender Chef wurde.

Noel Forgeard: Der 59-Jährige stand als EADS-Ko-Chef zuletzt mit dem Rücken zur Wand: Französische Politiker, Kleinaktionäre und wohl auch EADS-Großaktionär DaimlerChrysler zweifelten daran, ob Forgeard zu halten sei. Er galt nicht nur als Hauptverantwortlicher für die Lieferprobleme beim Super-Airbus A380; auch der Verkauf eines EADS-Aktienpakets stieß übel auf, der ihm im März und damit vor Bekanntwerden der Krise netto 2,5 Millionen Euro brachte. Die Zweifel an der Integrität Forgeards überdeckten seine Leistungen: In seinen sieben Jahren als Airbus-Chef machte er den Flugzeugbauer zur Nummer eins vor Erzkonkurrent Boeing. Nach nur einem Jahr an der Spitze der Airbus-Mutter EADS aber war der langjährige Schützling von Staatspräsident Jacques Chirac nicht mehr haltbar.

Gustav Humbert: Der 56-Jährige rückte vor gut einem Jahr als erster Deutscher an die Spitze von Airbus - und er könnte vorläufig auch der letzte gewesen sein. Der Ingenieur aus Celle startete seine Karriere beim Hamburger Flugzeugbau, einer Tochter von Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) aus dem damaligen Airbus-Konsortium. In Hamburg und Bremen besetzte er in den folgenden zehn Jahren verschiedene MBB-Posten. 1990 stieg Humbert zum Chef des Hamburger Airbus-Werks auf, der zweitgrößten Fertigungsstätte nach Toulouse. Die chronisch defizitäre Fabrik brachte er aus den roten Zahlen. Vier Jahre später wurde er Chef der damaligen Daimler-Benz Aerospace Airbus. Als Manager erntete er lange nur Lob, doch zuletzt konnte er bei Airbus nur noch Hiobsbotschaften wie Probleme beim Langstreckenflieger A350 und Lieferverzögerungen beim Riesenjumbo A380 mitteilen. Nun muss er seinen Posten für Streiff räumen. (APA)

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    Louis Gallois

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