Die Rebellen "kämpfen für den Frieden in Uganda"

12. November 2006, 16:03
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David Okello kämpfte auf Seiten der LRA-Rebellen im ugandischen Bürgerkrieg - Auch heute würde er sich weiter am Krieg beteiligen, sagt er im STANDARD- Interview

David Okello kämpfte auf Seiten der LRA-Rebellen im ugandischen Bürgerkrieg. Auch heute würde er sich am liebsten weiter an dem Krieg beteiligen, erzählte er Thomas Spielbüchler

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STANDARD: Wie kamen Sie zur Lord's Resistance Army (LRA)?

Okello: Ich wurde 1998 entführt. Eine Gruppe kam in unser Dorf und erklärte meinen Eltern, dass ich LRA-Soldat werden müsse. Sie haben mich mitgenommen. Ich war damals zehn Jahre alt.

STANDARD: Wann machten Sie Ihre erste Kampferfahrung?

Okello: Wir erhielten unsere Ausbildung im Sudan. Mit zwölf Jahren habe ich das erste Mal eine Waffe benutzt, um zu töten. Wir versuchten, die Armee in einen Hinterhalt zu locken. Ich musste alle, die unser Marschtempo nicht mithalten konnten, töten. Falls die Armee sie gefunden hätte, wäre unsere Route bekannt geworden.

STANDARD: Wer ist Ihr Feind und wofür kämpft die LRA?

Okello: Wir kämpfen für den Frieden in Uganda. Präsident (Yoweri)Museveni steht diesem im Weg. Unser direkter Feind ist die Armee.

STANDARD: Sind Sie LRA-Führer Joseph Kony begegnet?

Okello: Mehrmals. Er selbst hat mich zum Leutnant befördert. Joseph Kony ist ein guter Mensch. Er hat selbst niemanden getötet.

STANDARD: Wann haben Sie erstmals ein Kommando übernommen?

Okello: Mit 14. Ich war sehr ehrgeizig und hatte das Kommando über 50 Soldaten - teilweise waren diese älter als ich.

STANDARD: Haben Sie selbst auch Kinder entführt und den Befehl gegeben, die Schwachen zu töten?

Okello: Ich habe oft Kinder entführt und es ist üblich bei der LRA, dass diejenigen, die eine Gefahr darstellen, sterben müssen. Ich habe dieselben Befehle gegeben, wie ich sie zu meiner Zeit erhielt. Bestraft werden auch jene, die ihre Befehle nicht ausführen. Sie werden geschlagen und gezwungen, bei den Märschen die schwersten Lasten zu tragen, in gravierenden Fällen getötet.

STANDARD: Sind Sie selbst jemals bestraft worden?

Okello: Ein Mal. Mein Auftrag lautete, von einer Schule mehrere Mädchen zu entführen. Es ist mir nicht gelungen. Ich wurde mit Stöcken verprügelt.

STANDARD: Haben Sie in den mehr als sieben Jahren bei der LRA jemals Ihre Familie gesehen?

Okello: Niemals. Erst nach meiner Gefangennahme, bevor ich hierher kam.

STANDARD: Wie betrachten Sie rückblickend Ihr Leben mit der LRA?

Okello: Ich war sehr jung, als ich zur LRA kam. Ich empfand das System als gut. Ich führte ein für mich normales Leben und habe dieses auch genossen.

STANDARD: Würden Sie zurückgehen, um weiterzukämpfen?

Okello: Wenn ich noch beide Beine hätte, würde ich sofort zurückgehen. Verglichen mit dem Leben hier ziehe ich den Busch vor.

STANDARD: Wie sehen Sie selbst Ihre Zukunft in der Gesellschaft?

Okello: Ich war Kommandant. Heute bin ich behindert und schwach. Für mich gibt es nicht viel zu tun. Es wäre schön, wenn ich eine Ausbildung bekommen könnte. Am liebsten würde ich aber in die Kirche gehen, um jeden Tag für den Frieden in Uganda zu beten. (DER STANDARD, Printausgabe, 3. Juli 2006)

Zur Person

David Okello (18) war LRA-Kämpfer, ehe er verwundet wurde und ein Bein verlor. Im März wurde er verhaftet, profitiert aber von der Generalamnestie für LRA-Rebellen.

  • David Okello, 19, (links neben seinem Freund Nyero Bosco) war über sieben Jahre LRA-Kämpfer, ehe er verwundet und verhaftet worden ist. Er wäre bereit, weiterzukämpfen, hätte er noch beide Beine.
    foto: der standard/spielbüchler

    David Okello, 19, (links neben seinem Freund Nyero Bosco) war über sieben Jahre LRA-Kämpfer, ehe er verwundet und verhaftet worden ist. Er wäre bereit, weiterzukämpfen, hätte er noch beide Beine.

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