Subventionskürzung für Ökostrom

18. Oktober 2006, 16:45
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Die Genehmigungen für Windräder sind zurückgegangen, dabei könnte Österreich binnen fünf Jahren völlig auf erneuerbare Energie umsteigen

In Österreich ist die Genehmigung für Windräder zurückgegangen. Denn Förderungen wurden stark gekürzt. Dabei könnte Österreich dank der Windenergie binnen fünf Jahren völlig auf erneuerbare Energie umsteigen.

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Wien - Die Erzeuger von Windrädern sind in den vergangenen Jahren kaum mit dem Liefern nachgekommen. Die Branche, die von der dänischen Firma Vestas und dem deutschen Unternehmen Enercon angeführt wird, hat von diversen nationalen Förderprogrammen profitiert. Hierzulande sind die Anträge auf Genehmigung von Neuanlagen aber zuletzt deutlich zurückgegangen. "Weil die Förderungen zurückgeschraubt wurden und Rechtsunsicherheit entstanden ist", sagen die einen. "Weil die besten Standorte schon mit Windkraftanlegen besetzt sind und ein gewisser Sättigungsgrad erreicht ist", sagen die anderen.

Fördergeld-Begrenzung

Tatsächlich hat sich das Förderregime für erneuerbare Energien inklusive Windkraft in Österreich geändert. Der Staat ist mit den Subventionen für die Einspeisung von Ökostrom in das öffentliche Stromnetz zurückgefahren. Nur mehr Betreiber genehmigter Anlagen, die bis Mitte 2006 ans Netz gegangen sind, haben 13 Jahre fixe Tarife garantiert.

Die jüngst beschlossene Novelle zum Ökostromgesetz sieht eine Begrenzung der jährlichen Fördergelder für alternative Stromerzeugungsanlagen auf 17 Mio. Euro vor. Gleichzeitig ist die Abnahmeverpflichtung auf zehn Jahre ab Inbetriebnahme der Anlage verkürzt worden. Im elften Jahr des Betriebs besteht noch ein Anspruch auf Bezahlung von 75 Prozent des Einspeisetarifes, im zwölften Jahr gibt es 50 Prozent.

Von dem Fördergeld, das durch Zuschläge auf die Stromrechnung von den Haushalten eingehoben wird, erhält 30 Prozent die Windkraft. Außerdem ist geplant, den Einspeisetarif für Windstrom von bisher 7,08 Cent je kWh auf 7,05 Cent zu senken. Die entsprechende Verordnung fehlt allerdings noch.

15 Prozent versorgt

Hintergrund der beschlossenen Gesetzesänderung ist, dass die Ökostrommengen und die erforderlichen Unterstützungszahlungen für deren Einspeisung in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Allein im Vorjahr sind in Österreich 117 Windkraftanlagen ans Netz gegangen mit einer gesamten installierten Leistung von 218 MW - das zweitbeste Jahr in der Geschichte der heimischen Windkraft. Insgesamt sind in Österreich inzwischen fast 900 MW aus Windstrom am Netz. Die Rotorblätter, die sich hauptsächlich in den vom Wind begünstigten Lagen Niederösterreichs und Burgenlands drehen, produzieren inzwischen Strom für rund 470.000 Haushalte, das sind etwa 15 Prozent aller österreichischen Haushalte.

Ganz ohne Fremdstrom kommen aber auch Windräder nicht aus. Jedes Rad benötigt Netzstrom, um die an den Rotorblättern befestigten Klappen in Windrichtung zu bringen, damit das Rad aus der Ruhephase heraus vom Wind besser in Schwung gebracht werden kann. Strom wird auch zum Betrieb der Warnleuchten am Kopf der Windräder sowie zur Beleuchtung der im Innern angebrachten Aufgänge benötigt. Sobald der Generator aber einmal Strom erzeugt, wird auf Eigenversorgung umgestellt und Strom ins öffentliche Netz eingespeist. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.7.2006)

  • Im Vorjahr sind in Österreich 117 Windkraftanlagen entstanden. Die meisten stehen - wie hier in der Parndorfer Senke - im Burgenland und in Niederösterreich.
    foto: standard/fischer

    Im Vorjahr sind in Österreich 117 Windkraftanlagen entstanden. Die meisten stehen - wie hier in der Parndorfer Senke - im Burgenland und in Niederösterreich.

  • Infografik: Windenergie in Österreich
    grafik: standard

    Infografik: Windenergie in Österreich

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