Druck auf Goldmann steigt

3. Juli 2006, 18:40
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Streit um vorzeitige Ablöse droht zu eskalieren - Hauptversammlung am Dienstag kurzfristig abgesagt

Wien – Der Streit um die vorzeitige Ablöse von ÖBB-Personenverkehrsvorstand Wilhelmine Goldmann droht zu eskalieren. Wie DER STANDARD aus ÖBB-Aufsichtsratskreisen erfuhr, wollte die ÖBB-Führung bereits die für Dienstag anberaumte ordentliche Hauptversammlung der Personenverkehr AG dazu nützen, um der für den Nahverkehr zuständigen Vorstandsdirektorin das Misstrauen auszusprechen.

Hauptversammlung abgesagt

Am Montag Nachmittag wurde allerdings bekannt, dass die Hauptversammlung kurzfristig abgesagt worden sei. Dies berichtete das ORF-Mittagsjournal. Wie es weitergehe sei unklar.

Beispiellose Aktion

Hintergrund der bis dato beispiellosen Aktion ist ein schweres Zerwürfnis zwischen Goldmann und der ÖBB-Holding, das mit November 2005 datiert. Sehr zum Missfallen ihrer Chefs hatte die der SPÖ nahe stehende Goldmann damals die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Eigenkapitaldecke der ÖBB-Absatzgesellschaft bedrohlich dünn sei und der Konkurs drohe, wenn die öffentliche Hand nicht bald Finanzmittel zuschieße.

Darauf reagierten ÖBB-Holding-Chef Huber und Personenverkehr-Aufsichtsratspräsident Fredmund Malik (Management Zentrum St. Gallen) sehr scharf, sie nahmen der ausgewiesenen Finanzexpertin die Finanzagenden weg und drängten Goldmann zum Rücktritt als Postbus-Aufsichtsratspräsidentin.

Schlammschlacht droht

Nun hat der Konflikt das Zeug für eine richtige Schlammschlacht: Man bezichtigt Goldmann der Untreue, weil sie ÖBB-Betriebsmittel (Telefon, Fax, Büromaterial und Kopierer) und ÖBB-Mitarbeiter für den Amateurmusikverein "Opernwerkstatt Wien" missbraucht habe, und droht ihr mit Entlassung.

Wie der STANDARD berichtete, hält die Rechtsanwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz in einer im Auftrag der ÖBB-Holding erstellten Interpretation eine Entlassung für gerechtfertigt. Goldmann bestreitet die Vorwürfe. Sie habe für den gemeinnützigen Verein Opernwerkstatt Wien nie ÖBB-Betriebsmittel in nennenswerten Umfang verwendet. Im Gegenteil, ihr Hobby nütze dem Image der ÖBB , ohne Kosten zu verursachen. Beobachter interpretieren die Vorgänge so: Goldmann solle offensichtlich dazu gebracht werden, unter Verzicht auf alle Ansprüche aus ihrem noch zwei Jahre laufenden Vertrag freiwillig zu gehen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.7.2006)

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    ÖBB-Personenverkehrs- Chefin Wilhelmine Goldmann wird der Untreue bezichtigt.

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