Unverdaulich

4. Juli 2006, 07:00
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Jörg Haider beleidigte SP-Geschäftsführerin Doris Bures mit sexistischen Macho-Sprüchen - Dafür setzt es eine Tracht Zitronen

Am BZÖ-Parteitag war Jörg Haider mal wieder in Hochform: In seiner Rede qualifizierte er SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures als "schwer verdauliche Dame" ab, die "sogar der Bulle von Tölz ablehnen" würde.

Nun ist man es ja von Jörg Haider gewöhnt, diskriminierenden Müll aufgetischt zu bekommen. Man denke nur daran, als er die neue FP-Justizministerin Karin Miklautsch (jetzt Gastinger) – nicht einmal eine politische Kontrahentin – als "Boxenluder" bezeichnete oder an sein Verhalten, wenn es um zweisprachige Ortstafeln geht. Höchstrichterliche Urteile zählen für den Herrn Landeshauptmann nicht. Die markigen Sprüche, die bei seinen spärlich gewordenen WählerInnen für Gejohle und Gegröle sorgen, geben Aufschluss über Haiders Gedankenwelt.

Und diese ist für die meisten inzwischen nicht nur schwer verdaulich, sie haben sie einfach satt und verspüren eine zunehmende Übelkeit ob der kärntnerischen Rülpser. Vielleicht ist das der Grund, warum Frauenpolitikerinnen und Feministinnen nicht sofort aufschrieen, als der Landeshauptmann derart jenseitig und unqualifiziert über eine Kollegin herzog. Was hat man sich vom Verbalrabauken schon Anderes erwartet?

Gut so, könnte man sagen. Wer solch sexistische Aussagen ignoriert, trägt sie zumindest nicht in die Welt und verhindert damit, dass sich der eine oder andere verbliebene Haider-Wähler ins Fäustchen lacht.

Das mag wohl teilweise stimmen; aber kann es angehen, dass in Österreich ein Landeshauptmann eine Kollegin derart unter der Gürtellinie beleidigt und sich öffentlich über ihren Körper und darüber auslässt, wer sie als Frau ablehnen oder annehmen könnte? Wie würde es Herrn Haider gefallen, wenn sich eine Kollegin über seinen Körper äußerte und darüber, wer ihn attraktiv finden könnte und wer nicht? Vielleicht der Bulle von Tölz?

Noch immer sind Frauen in politischen Ämtern stark in der Minderzahl und noch immer werden sie von ihren männlichen Kollegen scheel betrachtet: Als Emanzen im besten Fall, als Mannsweiber im Schlechtesten. Und wem die Argumente ausgehen, der degradiert eine Kollegin einfach zum Sexobjekt. Eine Taktik, die in Österreich übrigens Tradition hat: Im Jahr 1993 sorgte ein Zwischenruf des steirischen VP-Abgeordneten Paul Burgstaller für Aufregung, der Terezija Stoisits aufforderte, sie möge das Mikrophon "in den Mund nehmen und fest dran lutschen." Und der niederösterreichische FP-Abgeordnete Anton Wauttal erntete nicht nur Lacher als er 2003 meinte: "Das mit den Frauen ist schon eine Mühe. Erst baut man ihnen Frauenhäuser, dann muss man sie auch noch prügeln, damit sie hingehen." Ignorieren ist da zu wenig – denn das ist absolut unverdaulich. (donja)

04.07.2006
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