Hoffen auf die Trendwende

12. Juni 2000, 16:28

Am Sonntag kamen mehr als 100.000

Hannover - Die Expo-Spitze hofft nach zehntägiger Besucherflaute auf eine Trendwende. "Unsere Aktionen zu Pfingsten waren ein Erfolg, außerdem zieht der Ticketverkauf an", sagte Sprecher Andreas Lampersbach in Hannover. Anders als erwartet kamen am Pfingstsonntag nach Experten-Schätzungen deutlich mehr als 100.000 Menschen auf das Gelände der Weltausstellung. Die Expo denkt jetzt über weitere Sonderaktionen nach, um wie zu Pfingsten mehr Besucher anzulocken. Zuvor hatte Geschäftsführer Reinhard Volk einräumen müssen, dass während der ersten acht Tage höchstens eine halbe Million zahlende Gäste gezählt wurden. "Damit sind wir nicht zufrieden", erklärte Volk am Samstag.

Mit einem Durchschnitt von täglich etwas mehr als 60.000 statt der erwarteten 150.000 Besucher wurde das anvisierte Ziel in den ersten acht Tagen um weit mehr als die Hälfte verfehlt. Damit ist bereits ein Loch in zweistelliger Millionen-DM-höhe in die Kasse gerissen. Angesichts der enttäuschenden Bilanz verschärft sich die Diskussion über die Expo-Preise. Während Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) eine deutliche Senkung der Eintrittspreise fordert, verteidigte sein niedersächsischer Kollege Sigmar Gabriel (SPD) die Preispolitik.

Teuer für Familien

Die stark hinter den Erwartungen zurückbleibenden Besucherzahlen hätten nichts mit der Attraktivität der Weltausstellung zu tun, sagte Gabriel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Allenfalls für Familien sei es "eine teure Veranstaltung". Gabriel warnte vor einem Zerreden der Expo. Im übrigen sei die Debatte nicht fair, "weil wir im Alltag bereit sind, für andere Dinge viel mehr Geld auszugeben. Wir sind wieder einmal typisch deutsch und reden die Expo kaputt."

Höppner hatte im dpa-Gespräch kritisiert, gerade für Familien und Einkommensschwache bestünden Hürden, die viele von einem Besuch abhielten. Geschäftsführer Volk lehnte Änderungen an den Preisen aber weiter ab. "Wir werden in drei bis vier Wochen eine Zwischenbilanz ziehen und dann wenn nötig dem Aufsichtsrat Vorschläge machen".

Konsequenzen verlangte aber auch der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im deutschen Bundestag, Adolf Roth (CDU). "Wenn Pfingsten keine Wende bringt, muss die Geschäftsführung ihr Konzept ändern, die Eintrittspreise für Gruppen senken, für mehr Wettbewerb und Sonderangebote der Gastronomie sorgen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Krisengipfel gefordert

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, forderte in der "BamS" einen "Krisengipfel" der Finanzminister von Bund und Land Niedersachsen mit der Expo-Führung. In der "Welt am Sonntag" rief der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Hollerith den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, die Expo zur Chefsache zu machen. Der CSU-Parlamentarier Gerd Müller regte an, die Eintrittspreise für Familien und Schulklassen zu halbieren.

Auf dem Gelände selbst haben am Pfingstwochenende Kroatien und die Russische Föderation ihre Nationentage gefeiert. Als Besuchermagnet erwies sich jedoch vor allem der Tag der christlichen Kirchen am Pfingstsonntag. Auf der Expo-Plaza verbreiteten rund 800 Gospelsänger und 1.600 Posaunenbläser Kirchentags-Stimmung. Dabei begeisterte am Abend die Predigt von Südafrikas Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu. "Das Böse auf der Welt wird nicht das letzte Wort haben. Wir sind alle für das Gute gemacht", lautete seine Botschaft. Bei seinem Rundgang in der Afrika-Halle war Tutu bereits gefeiert worden. "Hier kommt der Vater Afrikas, der Friedensstifter", begrüßte ihn ein Mitglied der afrikanischen Gruppe "Sam Tshabalala".

Abendpreise vorübergehend gesenkt

Die Expo-Leitung hat unterdessen auf die Besuchermisere reagiert: Sie wird von Mittwoch an die Preise für die Abendkarten vorübergehend von 24 auf zehn Mark senken. Außerdem muss abends nicht mehr für die Parkplätze bezahlt werden, die sonst 20 Mark kosten.

Offizieller Anlass der zeitlich begrenzten Aktion vom 14. Juni bis zum 2. Juli sei der "Geburtstag" der Weltausstellung, sagte Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk am Pfingstmontag. "Vor zehn Jahren, am 14. Juni 1990, hat Deutschland den Zuschlag für die Weltausstellung bekommen." Dies sei ein Grund, mit den Expo-Besuchern zu feiern.

Das Zehn-Mark-Ticket könne ausschließlich an den Geländekassen gekauft werden, sagte Volk. Am Preis von 69 Mark für die Tageskarte werde sich nichts ändern.

(APA/dpa)

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