Indien: "Fatwa" gegen feministische Autorin Nasreen

2. Juli 2006, 15:20
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Menschenrechtsaktivistin wegen "anti-islamischer" Äußerungen unter Beschuss

Neu Delhi - Nach Drohungen eines muslimischen Geistlichen in der ostindischen Stadt Kolkata fühlt sich die aus Bangladesch stammende Autorin Taslima Nasreen in ihrem indischen Exil bedroht. Der Chef-Imam der Tipu-Sultan-Moschee sagte der "Times of India" vom Montag, er habe am vergangenen Freitag wegen "anti-islamischer" Äußerungen Nasreens eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, erlassen. Er werde "jedem, der ihr das Gesicht schwärzt und sie aus dem Land jagt, 50.000 Rupien (870 Euro) geben".

Antrag auf indische Staatsbürgerschaft abgelehnt

Nasreen sagte der Zeitung "The Hindu" (Montag), in einem demokratischen Land wie Indien habe sie nicht mit entsprechenden Drohungen gerechnet. Sie hoffe, "dass weder die Regierung noch die Bevölkerung solche Fanatiker ermutigt". Nasreen lebt seit vergangenem Jahr mit einem Touristenvisum in Kalkutta. Ihr Antrag auf indische Staatsbürgerschaft wurde von den Behörden abgelehnt. Nasreen weigert sich, nach Bangladesch zurückzukehren, weil die dortige Regierung ihrer Ansicht nach ihre Sicherheit nicht garantieren kann.

Nasreen hatte mit Büchern wie "Ka" (Aufgespalten) in politischen und literarischen Kreisen für Aufruhr gesorgt. Bangladesch hatte sie im Jahr 1994 nach Mordaufrufen muslimischer Fundamentalisten verlassen. Sie hatte anschließend unter anderem in Europa gelebt und in den USA gelehrt. Die streitbare Autorin, die schon als "weiblicher Salman Rushdie" bezeichnet wurde, war wie dieser mit einem religiös begründeten Mordaufruf belegt worden. Wegen angeblicher Gotteslästerung und Verunglimpfung des Korans sind "Ka" und mehrere andere Bücher von ihr in Bangladesch verboten. (APA/dpa)

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