Portugal vor größtem Wurf

2. Juli 2006, 13:27
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Das Team von Luis Felipe Scolari könnte mit Finaleinzug Geschichte schreiben - Eusebio: "Nun ist der Weg frei"

Gelsenkirchen - Die goldenen Hände von Torhüter Ricardo haben Portugals Traum vom WM-Titel verlängert und das ganze Land in einen kollektiven Freudentaumel versetzt. Mit dem größten Erfolg seit 40 Jahren wandeln die Portugiesen auf den Spuren der Legende Eusebio, der 1966 mit der "Seleccao" WM-Dritter wurde. "Das ist ein fantastischer Erfolg für den portugiesischen Fußball. Nun ist der Weg für unser Land frei", jubelte Eusebio nach dem 3:1 im Elfmeterschießen gegen England.

Auch Trainer Luiz Felipe Scolari, der mit Brasilien vor vier Jahren den Titel gewann, war voller Optimismus. "Jetzt können wir Weltmeister werden", erklärte der Brasilianer vor der Halbfinalpartie am Mittwoch (21 Uhr) in München gegen Frankreich.

In Portugal hat der Erfolg wie vor zwei Jahren beim Einzug ins EM-Finale Riesenjubel ausgelöst. Zehntausende Menschen strömten in den großen Städten Lissabon und Porto auf die Straßen und feierten lautstark ihre Mannschaft. "Das ist eine große Sache für ein kleines Land wie Portugal", meinte Scolari. Glücksbringer Eusebio, der das Team auf seiner Deutschland-Tournee begleitet, war nach dem von Cristiano Ronaldo verwandelten Elfmeter zum 3:1 völlig fertig. "Ich habe sehr gelitten, aber es hat sich gelohnt."

Der gefeierte Held der Portugiesen war wie vor zwei Jahren im EM-Viertelfinale gegen England Torhüter Ricardo, der die Elfer von Frank Lampard, Steven Gerrard und Jamie Carragher hielt und damit als erster Torhüter der WM-Geschichte drei Schüsse in einer Elfmeter-Entscheidung parierte. 2004 wehrte der Keeper von Sporting Lissabon einen Elfmeter ab und verwandelte anschließend den entscheidenden.

"Bin kein Held"

"Ich habe alles dafür gegeben, dass wir siegen. Aber ich bin kein Held, das ganze Team hat gewonnen", gab sich Ricardo nach dem Elfmeter-Krimi bescheiden. An die Situation der EM 2004, als er vor dem letzten Elfmeter der Engländer seine Handschuhe wegwarf, den Elfer hielt und anschließend selbst traf, habe er sich dabei nicht erinnert: "Ich habe überhaupt nicht nachgedacht. Das war diesmal auch eine ganz andere Situation", so der 30-jährige Goalie.

"Er hat dieses Spiel fast allein gewonnen und gezeigt, dass er einer der besten Torhüter der Welt ist", befand sein Teamkollege Fernando Meira. Auch Scolari wusste, dass er sich auf seinen Schlussmann verlassen kann. "Er hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und ein besonderes Trainingsprogramm absolviert. Das hat ihn stark gemacht", erklärte der brasilianische Weltmeistermacher, der als erster Trainer nach einem Titelgewinn mit einer anderen Mannschaft das Halbfinale einer WM erreichte. "Aber es war schwieriger mit Portugal das Halbfinale zu erreichen als mit Brasilien das Finale."

Personalsorgen

Zum großen Showdown mit seinem Heimatland kommt es in der Runde der letzten Vier allerdings nicht. Auf dem Weg ins Finale müssen sich die Portugiesen mit dem ehemaligen Welt- und Europameister Frankreich auseinander setzen. "Am liebsten wäre mir, dass wir ohne Spiel ins Finale einziehen", scherzte Scolari, den gegen die Franzosen wieder Personalsorgen plagen. Figo und Cristiano Ronaldo laborieren an Oberschenkelblessuren, vor allem der Einsatz von Kapitän Figo ist fraglich.

Außerdem muss Mittelfeldspieler Petit gelb-gesperrt pausieren. Dafür kommen allerdings Spielmacher Deco und Costinha nach abgelaufener Sperre ins Team zurück. Viel Zeit zum Feiern blieb nicht. "Wir müssen die nächsten Tage nutzen, um uns perfekt auf Frankreich vorzubereiten und unseren angeschlagenen Spielern die Chance zur Erholung zu geben", meinte Scolari, der als Trainer nun seit 12 WM-Spielen unbesiegt ist und dessen Erfolgshunger noch lange nicht gestillt ist.

"Jetzt haben wir die Möglichkeit, portugiesische Fußball-Geschichte zu schreiben." VfB Stuttgart-Legionär Fernando Meira wünscht sich dabei nur einen Gegner: "Ich hoffe, dass wir im Finale auf Deutschland treffen." (APA/dpa/Reuters)

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