Franzosen ab sofort Titelkandidat

2. Juli 2006, 13:19
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Die so mühsam ins Turnier gestartete Equipe entwickelte sich zu einer immer kompakteren Maschinerie, deren Defensive kaum überwindbar scheint

Frankfurt/Main - Frankreich hat Brasilien erneut in die Schranken gewiesen. Seit dem Finale 1998 gegen die Franzosen hatten die Brasilianer elf WM-Spiele in Serie gewonnen. Im Viertelfinale am Samstagabend war Endstation, der Topfavorit aus dem Rennen um seinen sechsten Weltmeistertitel. Wieder gegen Frankreich, wieder nach einer Galavorstellung von Spielmacher Zinedine Zidane, wieder ohne selbst ein Tor erzielt zu haben.

Schon ins Finale 1998 waren die Franzosen als Außenseiter gegangen, spazierten aber ebenso wie im Viertelfinal-Schlager in Frankfurt als verdienter Sieger vom Platz. "Das war eine großartige Leistung. Es gibt kaum Worte, das auszudrücken. Das Auftreten der Mannschaft war außergewöhnlich, wir haben uns noch einmal gesteigert", resümierte Teamchef Raymond Domenech. "Das sind die großen Momente des französischen Fußballs."

Dieser scheint aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, in den er nach dem EM-Titel im Jahr 2000 gefallen war. 2002 in Japan und Südkorea war die "Equipe Tricolore" noch torlos in der Vorrunde ausgeschieden. "Nach dieser harten Erfahrung haben wir bewiesen, dass wir kein Müll sind", erklärte Goalgetter Thierry Henry, der den 1:0-Sieg gegen Brasilien mit seinem dritten Turniertreffer perfekt gemacht hatte.

Zidane will mehr

"Wir waren physisch topfit, haben gekämpft und uns den Sieg verdient", meinte Zinedine Zidane. "Ich will nicht, dass es jetzt schon zu Ende geht. Es ist so schön, nun wollen wir auch ins Finale."

Sein Abgang von der internationalen Bühne sei allerdings unumstößlich. "Deswegen kann er so befreit aufspielen", meinte Teamchef Raymond Domenech. "Er tritt zurück und muss sich keine Sorgen mehr machen. Er spielt einfach nur Fußball."

"Zidane und Henry ist heute einfach alles aufgegangen", meinte Parreira - erstmals sogar in Co-Produktion. Kurioserweise war der Freistoß, den Zidane in Minute 57 auf das lange Eck zirkelte und den Henry volley verwertete, der erste Assist des einen auf den anderen. 106 Länderspiele hat Zidane bestritten, Henry 83 - nun hat die Kombination endlich funktioniert.

Mittelfeld beherrscht

Doch auch der Rest des Teams zeigte seine Klasse. Die brasilianische Offensivmaschinerie kam nie ins Laufen, zu dominant waren Patrick Vieira und Claude Makelele im defensiven Mittelfeld. "Wir hatten Schwierigkeiten, überhaupt in den Strafraum zu kommen", gestand der brasilianische Teamchef. Frankreich präsentierte sich in seiner Kompaktheit als Titelanwärter, die Leistung war eine der besten einer Mannschaft im Turnier.

Dabei waren die Franzosen alles andere als gut in die Endrunde gestartet, retteten sich nach einem Entscheidungsspiel gegen Togo (2:0) als Gruppenzweiter hinter der Schweiz ins Achtelfinale. Als nächster Gegner wartet am Mittwoch in München Portugal auf Domenech ("Wir haben ein ganz klares Ziel und das heißt Finale") und seine Equipe. "Gegen Portugal ist es genauso wenig leicht zu gewinnen wie gegen Brasilien", warnte der Trainer. (APA/red)

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