Entführer von Shalit weisen ägyptischen Vermittlungsversuch zurück

4. Juli 2006, 18:12
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Israels Geheimdienst: Im Juni Entführung von Soldat vereitelt - Militäraktion in palästinensischem Spital

Gaza/Jerusalem - Die Entführer des israelischen Soldaten Gilad Shalit haben am Sonntag einen ägyptischen Vermittlungsvorschlag zur Lösung der jüngsten Krise in der Region zurückgewiesen. Ein ranghohes Hamas-Mitglied sagte, die ägyptischen Vorschläge erfüllten nicht "die fairen Forderungen der Fraktionen".

Der Vermittlungsvorschlag sah den Angaben zufolge im Kern eine Freilassung des vor einer Woche verschleppten israelischen Soldaten im Gegenzug für eine Verpflichtung Israels vor, in der nahen Zukunft eine nicht definierte Zahl palästinensischer Häftlinge freizulassen.

Hamas-Mitglied Osama Musini sagte, die Entführer forderten weiter die Freilassung jugendlicher und weiblicher Häftlinge sowie die Entlassung weiterer tausend Gefangener in israelischen Haftanstalten. Man fordere zudem den Stopp "aller Formen der Aggression der zionistischen Militärmaschinerie gegen unsere Zivilisten", sagte Musini.

Entführungsversuch vor Wochen

Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Beth berichtete unterdessen, dass er bereits vor Wochen die Entführung und Ermordung eines israelischen Soldaten durch palästinensische Extremisten vereitelt habe. Die beiden verantwortlichen Mitglieder des Volkswiderstandskomitees, das sich mit anderen Gruppen auch zur Entführung Shalits bekannte, seien am 11. Juni festgenommen worden, teilte der Geheimdienst am Sonntag mit.

Der 22-Jährige und der 20-Jährige aus dem Gazastreifen hätten zugegeben, dass sie einen Soldaten entführen und töten wollten. Ziel sei es gewesen, die Leiche im Gegenzug für die Freilassung von palästinensischen Gefangenen zu übergeben.

Laut Shin Beth wurde die Aktion drei Wochen zuvor geplant. Dahinter habe der Chef des Volkswiderstandskomitees, Jamal Abu Samhadana, gestanden. Er war am 8. Juni in einer gezielten Aktion bei einem Angriff auf Rafah im Süden des Gazastreifens von den Israelis getötet.

Seither hatten das Komitee des Volkswiderstandes sowie zwei weitere palästinensische Gruppen sich zu der Entführung von Shalit und der Entführung und Tötung eines Siedlers bekannt. Die israelische Armee reagierte auf die Entführung mit einer Militäroffensive im Gazastreifen, um den Soldaten zu befreien.

Militäraktion in palästinensischem Spital

Unter Einsatz von Blendgranaten und Tränengas stürmten israelische Soldaten am Sonntag ein palästinensisches Krankenhaus in Nablus im Westjordanland. Augenzeugenberichten zufolge suchten sie nach einem Flüchtigen, der bei einem israelischen Einsatz im Flüchtlingslager Balata vor zwei Wochen verletzt worden war. Ob er sich am Sonntag in der Klinik aufhielt, war nicht bekannt.

Ärzte und Schwestern mussten sich nach eigenen Angaben während der Razzia auf den Boden legen. Eine Granate habe einen Jugendlichen am Kopf getroffen und schwer verletzt. Nach Augenzeugenberichten schleuderten Jugendliche Steine auf die Soldaten, diese hätten darauf hin mit dem Einsatz von Granaten und Tränengas reagiert. (APA/dpa/AP)

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